«Diese Leier höre ich schon seit zehn Jahren»

Roger Federer aus der Schweiz reagiert bei der Pressekonferenz nach seinem Aus. – Foto: David Crosling/AAP/dpa

Nach dem unerwarteten Australian-Open-Aus gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas sprach Roger Federer über vergebene Breakbälle, laute Zuschauer und die nächste Generation im Welt-Tennis.

Roger Federer, waren die zwölf vergeben Breackchancen das Problem oder war es etwas anderes?
Es sind immer mehrere Faktoren bei einem Spiel wie diesem. Aber es lief definitiv nicht so, wie ich mir das mit den Breakchancen vorgestellt habe. Ich habe ihm schon beim Hopman Cup vor wenigen Tagen kein Break abnehmen können, mein Return gegen ihn ist also offensichtlich nicht gut genug. Stefanos hat das jeweils gut verteidigt. Klar ist das frustrierend.

Sie haben beide auf einem hohen Niveau gespielt. Wie schätzen Sie Ihren Auftritt ein?
Ich denke, es war okay. Ich habe heute gegen den besseren Spieler verloren, er hat unglaublich gespielt. Er hat sich nicht abschütteln lassen und sich immer wieder die Möglichkeit auf Punkte erspielt. Er ist ruhig geblieben, was für jüngere Spieler nicht immer einfach ist. Schauen Sie, die Umstände ändern sich, wenn man um 19 Uhr anfängt und dann bis in die Nacht spiel. Es wird immer härter.

Gab es einen Moment in Ihrem Spiel, in dem Sie sich wieder besser fühlten? Oder war es vom ersten Punkt bis zum letzten schwierig?
Nein, nein. Ich bedaure einige Entscheidungen von mir. Vielleicht sieht das nicht so aus, aber es ist so. Meiner Meinung nach muss ich den zweiten Satz gewinnen. Es ist mir egal, wie, aber ich muss. Das hat mich das Spiel gekostet.

Was sagen Sie zum heutigen Publikum? Hat es Sie gestört?
Gestört? Nein, es war großartig, die Zuschauer waren fantastisch. Dass hin und wieder mal ein Kerl während dem Ballwechsel etwas gerufen hat, das ist okay. Ich habe es lieber so, als wenn die ganze Arena still ist. Ich habe es heute sehr genossen.

Tsitsipas sagt, Sie seien sein Idol. Können Sie etwas von sich selbst in ihm erkennen?
Ich denke schon, ja. Er schlägt seine Rückhand einhändig und dann diese langen Haare (lacht). Er hat einen internationalen Ansatz, mehr als andere Spieler heutzutage. Das ist ein bisschen mehr meine Einstellung als die von, sagen wir, Rafael Nadal.

Waren Sie zufrieden mit dem Schiedsrichter? Es gab ein paar späte Entscheidungen.
In einem umkämpften Spiel gibt es auch immer enge Entscheidungen. Und bei engen Entscheidungen werden immer wieder Fehler gemacht, das ist doch ganz normal. Es ist menschlich, das gehört dazu. Ich werde sich nicht anfangen mich zu beschweren. Ich habe schon vor dem Hawk-Eye gespielt, da war es noch ganz anders.

John McEnroe sprach nach Ihrer Niederlage von einer Wachablösung. Ist Tsitsipas für sie der Anführer der jungen Generation?
John steht oft hinter dem Mikrofon und dann sagt er Sachen. Ich liebe ihn. Aber ich habe diese Leier von der Wachablösung jetzt zehn Jahre lang gehört. Es ist also nichts Neues für mich. Was Stefanos angeht: Er hat in den letzten anderthalb Jahren einen guten Job gemacht. Er hat Novak in Toronto geschlagen, aber auch Anderson oder Zverev. Und jetzt mich. Das braucht man, um das nächste Level zu erreichen.

Gestern gab es viel Aufmerksamkeit, weil Sie Ihre Akkreditierung vergessen haben und nicht in die Kabine kamen. Wie bewusst ist es Ihnen, dass hier überall Kameras laufen?
Es ist eine andere Zeit heute. Es ist ja nicht so, dass nie jemand ein Foto oder Video von uns macht. Aber jetzt ist es wirklich überall. Es ist schwer, eine ruhige Ecke zu finden, wo man sich entspannen kann. Aber ich kann damit umgehen, kein Problem.

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