Wem gehört die Uni?

Studierende, Professoren, Rektoren – sie alle gestalten die Geschicke ihrer Hochschule __ Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wer an einer Hochschule studiert, darf sie auch mitgestalten. Nur wie? So funktionieren Asta, Fachschaft & Studi-Parlament

Berlin (dpa/tmn) – Wie Hochschulpolitik genau funktioniert, ist nicht nur Erstis oft ein Rätsel. Dabei ist das Engagement von Studierenden wichtig: Im Kern geht es darum, die Grundlagen für Studium, Lehre und Forschung an der jeweiligen Institution zu verbessern. Das schließt Bildungspolitisches und die Gestaltung der Studienordnung ein, aber auch Grundsätzliches wie die Autonomie der Hochschule. Oft geht es auch um Soziales – etwa bezahlbaren Wohnraum.

Für Studierende ist die studentische Selbstverwaltung am wichtigsten. Denn dadurch können sie ihre Angelegenheiten verwalten und ihre Interessen vertreten – meist sind es das Studierendenparlament (Stupa), der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) und die Fachschaften. In vielen Bundesländern ist ein Zusammenschluss aller eingeschriebener Studierenden gesetzlich vorgeschrieben. Dann spricht man von einer Verfassten Studierendenschaft.

Das Stupa wird direkt von den Studierenden gewählt – meist einmal im Jahr. Das Parlament ist das höchste beschlussfähige Gremium der Studierendenschaft. Dieses Legislativorgan verabschiedet unter anderem den Finanzplan. Das Stupa beschäftigt sich nicht mit allen Themen im Plenum, sondern kann einzelne Aufgaben in Ausschüsse geben.

Prüfungsfrist verpasst? Der Asta hilft

Einer dieser Ausschüsse ist der Asta. Das Exekutivorgan wird in Referaten organisiert und meist für ein Jahr vom Stupa gewählt. Oft bietet der Ausschuss Dienstleitungen an – etwa eine Rechts- und Sozialberatung und organisiert politische Veranstaltungen. Zudem ist er beispielsweise für die Aushandlung des Semestertickets zuständig.

«Vieles, was der Asta macht, geschieht für einen Großteil der Studierenden im Hintergrund», sagt Konstantin Korn vom Dachverband der Studierendenvertretungen fzs. «Es steht nirgendwo: Hey, du hast so viele Prüfungsversuche, weil du eine gute Interessenvertretung hast.» Die mangelnde Sichtbarkeit sei ein Grund dafür, dass die Beteiligung bei Wahlen oft sehr gering ausfalle. Dadurch entstehe das Problem, dass das Hochschulsystem immer verschulter werde. «Die Studierenden sehen das Studium nicht als Raum, den sie gestalten können», erklärt Korn.

An der Hochschulgestaltung können Studierende im Fachschaftsrat mitwirken, meist einfach Fachschaft genannt. Die Interessenvertretung der Studierenden veranstaltet zum Beispiel Erstsemestereinführungen, berät rund ums Fach, sammelt Skripte und Altklausuren oder organisiert Partys oder Filmabende.

Im Fakultätsrat sind Studierende und Lehrende gemeinsam organisiert. Dieser wählt zum Beispiel den Dekan, der die Fakultät oder den Fachbereich leitet. Auch im Senat, dem höchsten Hochschulgremium, beschließen Studierende und Lehrende gemeinsam etwa die Einführung, Änderung oder Aufhebung von Studiengängen oder Fachbereichen sowie den Haushalt der Hochschule.

Oft haben Lehrende und Studierende ähnliche Interessen

In manchen Fällen unterscheiden sich die Interessen der beiden Gruppen – in anderen Fällen verfolgen sie ähnliche Ziele. Ein Beispiel dafür ist die Reformierung von Bologna, bei der Studierende stark Einfluss genommen haben, sagt Stefanie Busch von der Hochschulrektorenkonferenz. «Auch beim Thema Personal- und Raumausstattung haben Studierende und Lehrende ähnliche Interessen. Sie alle erleben unmittelbar die Auswirkungen von fehlenden Stellen und mangelhaften Räumlichkeiten und Lehrmitteln.»

Das akademische Oberhaupt der meisten deutschen Hochschulen ist der Rektor. Er kümmert sich um repräsentative Aufgaben und die Ausrichtung von Forschung und Lehre. Der Rektor ist Teil des Rektorats oder auch Präsidiums. Ebenfalls Mitglied ist dort der Kanzler. Als Leiter der Verwaltung ist er unter anderem zuständig für das nichtwissenschaftliche Personal der Hochschule.

Die Beteiligungsrechte der einzelnen Gremien sind unterschiedlich stark – je nach Landeshochschulgesetzen und Grundordnung der Hochschulen. «Im Westen Deutschlands gibt es meist das Parlamentssystem, bei dem die Vertreter direkt gewählt werden», sagt Korn. In den östlichen Bundesländern gebe es dagegen eher einen Studentenrat, der legislative und exekutive Funktionen vereint. Klassischerweise setzt sich dieser Rat aus Vertretern der Fachschaften zusammen und es gibt keine Wahl. Auch Mischformen beider Systeme existieren. Auch die Größe der Hochschule hat Einfluss auf das System. «An kleinen Hochschulen werden die Vertreter meist direkt gewählt, an größeren Hochschulen gibt es eher Listen», erklärt Korn.

Hochschulpolitik bereitet auf den Job vor

Wer sich während des Studiums in der Hochschulpolitik engagiert, kann sich nicht nur für bessere Studienbedingungen einsetzen, sondern von seinem Einsatz auch über das Studium hinaus profitieren. «In der Hochschulpolitik lernt man, was man als Führungskraft im Job braucht», sagt Jutta Boenig, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Etwa die Fähigkeit, verschiedene Meinungen zuzulassen und die eigene diplomatisch zu formulieren.

Im Austausch mit hierarchisch Höherstehenden werden Studierende selbstsicher. Erfahrung in der Projektkoordination und die Fähigkeit, souverän eine Präsentation zu halten, kommen auch bei zukünftigen Arbeitgebern gut an. Man sollte aber nicht unbedingt die politische Ausrichtung der Gremienarbeit in den Vordergrund stellen: «Das sollte man eher diplomatisch formulieren – man weiß schließlich nicht, wen man gerade vor sich sitzen hat», rät Boenig.

 

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Disclaimer: Dieser Beitrag ist im Rahmen einer studentischen Arbeit des Seminars „Redaktion als Organisation“ der Hamburg Media School entstanden. Bei der Website j2j.de handelt es sich um eine Übungsplattform. 

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