«Fake News!»: Der Bürgermeister äußert sich zur Weihnachts-Abzocke

Immer weniger Touristen kommen nach Hamburg: Weihnachten ist hier zu teuer! J2J-Recherchen zeigen: Teure Preise sollen Baupfusch ausgleichen.

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Hamburg – Leere Weihnachtsmärkte, trübe Stimmung an den Verkaufsbuden. Seit Jahren sinken in Hamburg die Besucherzahlen auf den 13 Weihnachtsmärkten der Stadt. Viele Hotels sind nicht ausgelastet, die Ladenbetreiber in der Innenstadt klagen über einen Einbruch ihrer Einnahmen, der regelmäßig zu Beginn der Weihnachtszeit einsetzt. Dann also, wenn sich viele Städte in Deutschland über boomende Touristenzahlen freuen, wenn sich glühweinbeseelte Mengen an glitzernden Buden vorbeischieben. Wie kann das sein? Nach Recherchen von J2J zockt die Stadt Hamburg ihre Einwohner und Weihnachtsmarktbetreiber systematisch ab: um ihren eigenen Haushalt zu sanieren.

Was sagen die Menschen auf den Weihnachtsmärkten zur Abzocke? Wir sind Live auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs.

Manipulation der Preismieten

Es gibt einen Grund für diese Misere. Nach Recherchen des Online-Portals J2J wurden die Standmieten für die Weihnachtsmarktbuden seit Jahren systematisch manipuliert – und um mehr als das Doppelte nach oben geschraubt. Die Überteuerung hat eine Preisspirale in Gang gesetzt, die sich nicht nur in den Standmieten selbst, sondern auch in den Verkaufspreisen niederschlägt: 5,50 Euro kostet ein Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt in Mundsburg, am Rathausplatz sogar 7,50 Euro. Preise, die Einwohner wie Touristen vergrätzen. „Ich finde diese Preise selbst überteuert“, sagt Angelina Santa, 56. Ihren Glühweinstand am Michel betreibt sie seit achtzehn Jahren, sie versucht die Preissteigerungen für ihre Standmiete durch die Verkaufspreise aufzufangen. „Meine Besucher werden aber seit Jahren weniger“, sagt sie. „Nächsten Advent werde ich mit meinem Stand in eine andere Stadt ziehen. Köln vielleicht“, sagt Santa. In Köln nämlich liegt die Standmiete um 60 Prozent unter den Preisen in Hamburg: bei 100 Euro am Tag.

Die Durchschnittsmiete für einen Weihnachtsmarktstand liegt in Deutschland bei 80 Euro pro Tag. In Hamburg aber bezahlen die Standbetreiber 230 Euro. Diese Wucherpreise werden erst jetzt öffentlich. J2J hat die Standmieten in ganz Deutschland ausgewertet.

Grund für die Abzocke: Baupfusch

Dabei zeigt sich aber nicht nur die Überteuerung selbst. Nach Informationen von J2J aus mehreren unabhängigen Quellen gibt es für diese Preissteigerungen einen konkreten Grund: Die Stadt Hamburg verwendet das Geld für eine Sanierung der Elbbrücken. Seit Jahren steht diese Sanierung an, wurde aber vom Senat systematisch verschleppt.

Die wirtschaftlichen Folgen für die Stadt insgesamt sind immens. Zwar nimmt die Stadt durch die teuren Standmieten 1,3 Millionen Euro ein. Weil aber die Touristen wegbleiben, sinken die Einnahmen in Weihnachtsmarkt- und Hotelbranche sowie im Einzelhandel um 2 Millionen Euro.

Grinch streitet Vorwürfe ab. Die Opposition tobt

Gegenüber J2J streitet der Oberbürgermeister Hartmut Grinch die Vorwürfe ab. Die Opposition aber hat das Thema für die nächste Sitzung im Rathaus auf die Tagesordnung gesetzt. “Diese Manipulation ist ein Skandal, der Hamburg deutschlandweit in schlechtes Licht rückt”, sagt Lorena Lametta, Sprecherin der Oppositionsfraktion. “Wir werden dagegen vorgehen”, kündigte sie an.

(Disclaimer: Dies ist ein Übungstext, entstanden im Rahmen des Seminars “Redaktion als Organisation” an der Hamburg Media School. Er ist fiktiv.)

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