Dürreschäden müssen die Verbraucher (noch) nicht stressen

Das zweite Halbjahr 2018 war extrem trocken. Für die Landwirte ist das nicht gut. (Bild pxhere)

Die Bauern sind gestresst, denn das Wetter war viel zu warm und viel zu trocken. Die Folge davon sind Ernteausfälle, die so hoch waren, wie schon lange nicht mehr. Für die Verbraucher ändert sich damit noch nichts, die Lebensmittelpreise bleiben nämlich stabil.

Deutsche Bauern zittern um ihr Geschäft. Mit der Dürre im zweiten Halbjahr 2018 haben sie nämlich ein Problem. Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach von einer «sehr schwierigen und herausfordernden» Lage. Insgesamt sei eine «miserable» Getreideernte eingefahren worden. Und Einbußen würden nicht voll davon aufgefangen, dass die Preise gerade höher sind als im Vorjahr. Daneben sorgen sich auch Viehhalter um das Futter für ihre Tiere, weil wegen der Dürre nicht so viel Gras gemäht werden konnte wie sonst. Vom Wetter profitieren konnten dagegen viele Obstbauern. In einer sehr guten Ernte dürften 950 000 Tonnen Äpfel hereinkommen, nachdem es im Vorjahr 570 000 Tonnen waren – die Preise liegen nun aber niedriger. Beim Wein komme ein «Spitzenjahrgang».

Trotz Dürre keine Preissprünge

Für die Supermarktkunden habe es keine deutlichen Preissprünge wegen der Dürre gegeben, erläuterte der Bauernverband. Rukwied baute auch schon mal für den Fall vor, dass möglicherweise Brot und Brötchen mit dieser Begründung teurer gemacht werden sollten. Er freue sich schon auf den Tag, wenn Getreide einmal billiger werde und die Branche dann die Brotpreise senke. «Aber das wird nicht eintreten.»

Gewinnpolster schmelzen

Bei den deutschen Bauern ist die Situation jedoch deutlich weniger entspannt: trotz wieder gewachsener Gewinnpolster sind die erhebliche Dürreschäden schlecht für das Geschäft. Insgesamt legten die Ergebnisse im vergangenen Wirtschaftsjahr 2017/18 im Schnitt um fast ein Fünftel auf 65 200 Euro je Betrieb zu, wie der Bauernverband am Donnerstag in Berlin mitteilte. Die Bilanz erfasst aber nur die Zeit bis Ende Juni – also noch nicht die enttäuschende Ernte 2018 wegen langer Trockenheit in vielen Regionen. Ins Kontor schlagen auch höhere Kosten für Futter, Energie und Dünger. Bei den Preisen für die Verbraucher sieht der Verband weitgehende Stabilität.

Funfact am Rande: Heißzeit – das Wort des Jahres 2018

«Heißzeit» ist zum Wort des Jahres 2018 gekürt worden. Das teilte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) am Freitag mit. Der Begriff umschreibe nicht nur den extremen Sommer, sondern beziehe sich auch auf den Klimawandel. Außerdem sei «Heißzeit» mit der lautlichen Ähnlichkeit zu «Eiszeit» eine interessante Wortbildung, urteilten die Sprachexperten in Wiesbaden.

Rücklagen reichen nicht

Die zuletzt wieder besseren Verdienste seien erfreulich. Die Rücklagen reichten aber nicht zum Ausgleich von Ausfällen aus, wo die Trockenheit zugeschlagen habe. Für die von Bund und Ländern bereitgestellten Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro seien inzwischen 8000 Anträge gestellt worden. Die Unterstützung sei auch «absolut notwendig». Dabei ist das Bild uneinheitlich: Im Norden und Osten gab es teils massive Schäden, während Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland verschont blieben. Allein in Niedersachsen seien mehr als 4000 Anträge eingereicht worden. Selbst der November sei mancherorts noch zu trocken gewesen, sagte Rukwied.

Schweinehalter erwischt es am stärksten

Insgesamt stabilisierte sich die Ertragslage der Branche bis Mitte 2018 weiter, nachdem im Vorjahr wieder eine Erholung von niedrigen Weltmarktpreisen für wichtige Produkte eingesetzt hatte. Aber auch die Bilanz für 2017/18 zeigt große Unterschiede je nach Sparte. Dank stabiler Preise am besten verdienten Milchbauern mit durchschnittlich 90 600 Euro je Betrieb (plus 67 Prozent). Das größte Minus von 35 Prozent hatten dagegen die Schweinehalter. Sie kamen im Schnitt auf 56 600 Euro und erhalten momentan auch niedrigere Preise. Öko-Bauern verbuchten erneut Zuwächse. Ausgewertet wurden Jahresabschlüsse von 11 900 Betrieben. Vom Gewinn sind noch Investitionen zu finanzieren.

«Trotz der Frostschäden im vergangenen Jahr sind die Unternehmensergebnisse stabil», sagte Rukwied. «Das ist erfreulich, aber wir schauen mit Sorge auf das laufende Wirtschaftsjahr, wenn die gestiegenen Kosten und vor allem die Dürre zu Buche schlagen.»

Folgen für Konsumenten erst später sichtbar

Welche Folgen die Entwicklungen in den letzten sechs Monaten für die Konsumenten haben, lässt sich noch nicht genau abschätzen. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass sich die Lage entspannen wird; der Klimawandel sorgt nämlich für reichlich Verunsicherung.

(dpa/hja)

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