Die Helden der Start-up Szene sind Männer aus Berlin, Bayern und Hamburg

Teilnehmer des DPA - Intensivprogramms "Next media accelerator" in Hamburg. (Quelle: Tamin Tanot /dpa)

Die Investitionen in deutsche Start-ups zeigen einen sprunghaften Anstieg. Das typische Start-up sieht ungefähr so aus: es ist ein IT-, Software-Entwicklung- oder E-Commerce- Unternehmen, dessen Mitarbeiter überwiegend aus dem Ausland kommen. Die Unternehmergründer sind meistens Männer im Alter von 25 bis 44, die für die FDP stimmen.

Die Standorte der Firmen befinden sich hauptsächlich in Berlin, Hamburg oder in einer der bayerischen Städte. Die erfolgreichsten Start-ups sind Berliner Esslieferanten, Autohändler und die Musikstreaming Plattform SoundCloud.

Beim Finanzierungsvolumen ist Hamburg auf dem dritten Rang nach Berlin und Bayern, beim Frauenanteil unter den Hotspot-Regionen auf dem letzten – so wenige Frauen wie in Hamburg ( ca. 10%) gibt es in keinem anderen Start-up-Bundesland.

In der Lounge des Berliner Ablegers der aus Israel stammenden Bürogemeinschaftsfirma Mindspace (Quelle: DPA)

SPRUNGHAFTER WACHSTUM VOR ALLEM IN BERLIN

Dem im Januar veröffentlichten Start-up-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) entsprechend, ist der Gesamtwert der Investitionen in neue kreative Unternehmen im Jahr 2017 um 88 Prozent gestiegen – von 2,3 auf 4,3 Milliarden Euro. Als Grund für das starke Wachstum wurden vor allem einige sehr große Deals mit einem Volumen von jeweils mehr als 100 Millionen Euro genannt, die im Jahr 2016  vollständig gefehlt hatten.

Berlin bleibt die Start-up-Hauptstadt – im Jahr 2017 haben 208 Berliner Start-ups insgesamt knapp 3 Milliarden Euro erhalten, das ist fast dreimal so viel wie im Vorjahr. Während der Boom am Standort Berlin ungebrochen ist, war die Zahl der Finanzierungsrunden in anderen wichtigen Start-up-Regionen im vergangenen Jahr eher rückläufig: In Bayern um acht Prozent, in Nordrhein-Westfalen sogar um 19 Prozent, während es in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderungen gab.

Hamburg liegt beim Start-up-Barometer im Finanzierungsvolumen auf dem dritten Rang nach Bayern – die Hamburger Jungunternehmen konnten insgesamt 230 Millionen Euro einwerben, das ist ein Anstieg um 80 Prozent gegenüber 2016.

Beim Finanzierungsvolumen ist die Schere zwischen Berlin und dem Rest der Republik weit: 69 Prozent der bundesweit investierten Summe flossen 2017 in Berliner Start-ups. Im Vorjahr lag der Anteil Berlins bei 48 Prozent. Die fünf größten Finanzierungsrunden des Jahres gingen durchweg an Berliner Start-ups. Berlin entwickelt sich sehr stark; die wichtigsten Teilsegmente sind dabei E-Commerce, FinTech, Health, Medien und Mobility.

Die beiden größten Finanzspritzen des Jahres gingen an ein einziges Unternehmen: Im Juni sammelte der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero bei seinem Börsengang insgesamt 989 Millionen Euro ein, wovon 423 Millionen Euro an das Unternehmen flossen. Schon im Mai war der südafrikanische Investor Naspers mit 387 Millionen Euro bei Delivery Hero eingestiegen. Und ebenfalls im Mai sammelte der Berliner Auto-Großhändler Auto1 insgesamt 360 Millionen Euro von verschiedenen Investoren ein. Im November erhielt zudem der Kochboxlieferant HelloFresh durch seinen Börsengang 268 Millionen Euro – bei einem gesamten Emissionsvolumen von 286 Millionen Euro. SoundCloud sammelte im Vorjahr 143 Millionen Euro ein und damit ist auf Platz fünf des Rankings gelandet.

Die Experten von EY stellen fest, dass das meiste Geld im vergangenen Jahr in E-Commerce-Unternehmen floss. Insgesamt kamen die Start-ups aus diesem Bereich auf 1,8 Milliarden Euro ( 438 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum).

Weltweit wird Deutschland als Start-up Land auch ziemlich gut geschätzt. Einer Studie entsprechend landet Deutschland sogar auf Platz 15 des internationalen Rankings GEI.

WER GRÜNDET STARTUPS?

Die Ergebnisse der Studie von KPMG erlauben ein Porträt des deutschen Start-up Gründers zu skizzieren. Die Teilnehmer des DSM 2017 sind im Durchschnitt 35,3 Jahre alt, insgesamt etwa 48% sind im Alter von 25 bis 34 Jahren, 29,9% sind im Alter von 35 bis 44 Jahren. Die Zahlen zeigen, dass der bundesweite Frauenanteil in Gründerteams im Vergleich zu den Vorjahren weiter auf inzwischen 14,6 % gestiegen ist. Berliner Start-ups weisen dabei mit 16,2% den höchsten, Hamburger und Münchener Start-ups mit je 10,5% den niedrigsten Frauenanteil unter den Hotspot-Regionen auf.

 

Mit 91,9% besitzt auch im Jahr 2017 der Großteil der DSM-Gründer die deutsche Staatsbürgerschaft. 81,1% der Gründer haben einen Hochschulabschluss. Dabei kommen fast ein Drittel aller Start-up-Mitarbeiter aus dem (EU-)Ausland. Außerdem stimmen 63,9% der Gründer (voll und ganz) zu, dass die deutsche Start-up-Landschaft durch die Zuwanderung von Menschen aus dem Ausland profitiert.

Es gibt noch ein Porträtdetail – im Bundestags-Wahljahr war die FDP unter den DSM-Gründern mit 39,4% der Stimmen die stärkste Partei. Wie auch im DSM 2016 spricht knapp die Hälfte (46,9%) der DSM-Gründer Christian Lindner von der FDP die größte Gründerkompetenz zu. Den zweiten Platz im Kompetenz-Ranking belegt die Antwortmöglichkeit “Keinem/r”, was nach Meinung der Experten von KPMG einen deutlichen Nachholbedarf signalisiert. Nur jeder Zehnte (10,9%) findet, dass die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die größte Gründerkompetenz verfügt. Weitere 4,5% entfallen auf Martin Schulz von der SPD.

 

Kommentar hinterlassen zu "Die Helden der Start-up Szene sind Männer aus Berlin, Bayern und Hamburg"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*