Der lange Rückbau eines Atomkraftwerks

Blick auf die Bauruine des Reaktorsaals von Block 7 und Block 8. (Quelle: dpa)

Bereits seit 1990 ist das Atomkraftwerk Lubmin stillgelegt. Ein Ende des Rückbaus ist aber noch lange nicht in Sicht und die Kosten sind enorm.

Im stillgelegten Atommeiler in Lubmin am Greifswalder Bodden hat eine neue Phase des Rückbaus begonnen. Die ersten zwei von acht Reacktorblöcken werden teilabgerissen. 1979 wurden sie errichtet, sind aber nie in Betrieb gegangen.

Nicht fertig geworden – keine Radioaktivität

Seit mehr als 20 Jahren läuft die Demontage bereits. Da die Blöcke 7 und 8 zu DDR-Zeiten nicht komplett ausgestattet wurden, waren sie nie am Netz und sind daher auch nicht radioaktiv belastet. Zuständig für den Abriss ist das bundeseigene Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN). Kräne mit Sägen tragen die etwa 50 Meter hohen Betonkolosse ab.

Das Dach und die obere Hälfte bestünden aus schweren Stahlbetonplatten, würden auseinandergeschnitten, per Kran abgenommen und in einer Betonschredderanlage zerkleinert, so EWN-Sprecherin Marlies Philipp. Der Stahl soll eingeschmolzen und der Beton recycelt im Straßenbau wiederverwendet werden.

Stahl wird geschmolzen, Beton für Straßenbau

6,6 Milliarden Euro soll der Abriss der beiden DDR-Atommeiler in Lubmin und Rheinsberg in Brandenburg kosten, so der Eigentümer Energiewerke Nord. Laut einer Studie werden für den Rückbau aller deutschen Atomkraftwerke und die Entsorgung des Atommülls mindestens 34 Milliarden Euro benötigt. Aktuell sind noch sieben Atomkraftwerke am Netz.


Die aktuellste Abschaltung ist der Block B in Grundremmingen. Nach 33 Jahren wurde in dem Kernkraftwerk einer der beiden aktiven Reaktoren endgültig abgeschaltet. „Doch von Block B können noch in einer Million Jahren Spuren gemessen werden“, sagt Raimund Kamm, der ehemalige Abgeordnete der Grünen im bayerischen Landtag und Landesvorsitzende des Bundesverbandes Windenergie.

Noch in einer Million Jahren Spuren gemessen

Auch nach der beschlossenen Energiewende und dem Abschalten vieler Atomkraftwerke liefern die übrigen sieben Stück mit rund 11 Megawatt noch etwa 10 % zum erzeugten Strom in Deutschland bei.

 

Ungeklärt ist nach wie vor, was mit dem hochradioaktiven Atommüll aus den deutschen AKW auf Dauer geschehen soll. Vor drei Jahren hat eine neue Kommission für die Endlagersuche die Arbeit aufgenommen. Bis spätestens 2031 soll sie eine geeignete Lagerstätte ausfindig machen. Der Salzstock im niedersächsischen Gorleben, der bis vor einiger Zeit noch als Endlager im Gespräch war, gilt inzwischen unter Experten als ungeeignet.

Wohin mit dem Atommüll?

Auch die Lagerung von schwächer strahlendem Material ist weiter ein großes Problem. Das für reichlich Schlagzeilen sorgende und mit tonnenweise Atommüll gefüllte frühere Bergwerk Asse ist marode und muss geräumt werden. Stattdessen soll in dem ehemaligen Eisenerzbergwerk Schacht Konrad bei Salzgitter ein Endlager für Atommüll von geringer Wärmeentwicklung entstehen. Ursprünglich sollte Schacht Konrad 2014 in Betrieb gehen. Inzwischen ist von 2022 die Rede.

Trotz oder gerade wegen der Probleme bei der Suche nach einem Endlager und dem Rückbau der bestehenden Meiler halten 62 % der Deutschen den Atomausstieg für richtig.

 

Quellen: ndr.de, dpa

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