Der Absturz von H&M

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Die schwedische Modekette kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Der Aktienkurs des Unternehmens ist auf den tiefsten Stand seit 2008 gefallen. Woher die miesen Geschäftszahlen kommen

Der Modehändler Hennes & Mauritz hat den höchsten Gewinnrückgang innerhalb der vergangenen sechs Jahre verbucht. Der operative Gewinn fiel im abgelaufenen Geschäftsjahr um 14 Prozent auf 20,6 Milliarden Schwedische Kronen (2,1 Milliarden Euro).

Die Aktie drehte nach Bekanntwerden der Zahlen ins Minus und rauschte um mehr als acht Prozent ab, auf den tiefsten Stand seit 2008. Der Aktienkurs ist nun schon seit Jahren unter Druck. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Wert der H&M-Aktie praktisch halbiert.

Das schwedische Unternehmen stand zuletzt in den Schlagzeilen, als es einen Pullover mit der Aufschrift „Coolster Affe im Dschungel“ mit einem dunkelhäutigen Jungen als Model bewarb. H&M nahm das Kleidungsstück daraufhin weltweit aus dem Handel, die Empörung aber blieb: In Südafrika stürmten wütende Massen die Läden, Musiker „The Weeknd“ kündigte seine Zusammenarbeit mit H&M, zu Hause in Schweden ist die Rede von einer „Markenkatastrophe“.

Skandale, Konkurrenten, Online-Handel – H&M steht unter Druck

Die umstrittene Werbung ist jedoch nicht der einzige Skandal, mit dem H&M zuletzt umgehen musste: Ein Pyjama, der Häftlingsuniformen im Konzentrationslager Auschwitz ähnelte. Zu dünne Models. Greenwashing-Vorwürfe. Zuletzt warf Greenpeace dem Modegiganten vor, massenhaft Kleidung zu verbrennen, deren Fehler man hätte ausbessern können. Das Unternehmen betonte zwar, verbrannt werde nur, was mit gefährlichen Chemikalien verunreinigt sei. Doch die Diskussion war da nicht mehr abzuwenden.

Die Unternehmensgewinne leiden aber nicht nur unter dem schlechten Marken-Image, auch die hohen Lagerbestände setzen H&M zu. Das Unternehmen muss höhere Rabatte gewähren, um die Kleidung loszuwerden. Konkurrenten wie Primark oder Zara machen dem Konzern im Geschäft mit günstiger, schnell wechselnder Mode stark zu schaffen. So stößt H&M mit seinem klassischen Format durch den Verdrängungswettbewerb langsam an seine Grenzen.

Wie andere Modehändler mit einem starken Filialnetz kämpft auch H&M mit einem veränderten Kundenverhalten durch die Ausbreitung des Onlinehandels. Das Unternehmen hat daher angekündigt, den Fokus verstärkt auf den Internethandel zu legen und lanciert eine Reihe von Onlineshops. Früheren Angaben zufolge macht das Onlinegeschäft rund ein Drittel des Umsatzes aus.

Quellen: Reuters/dpa-AFX

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