Warum Hamburg die Elbvertiefung braucht

Containerschiff im Hamburger Hafen (Reuters)

Der Transport von Waren zur See nimmt immer mehr zu – immer größere Containerschiffe werden gebaut. Doch für die größten Schiffe ist die Elbe nicht mehr tief genug. 2018 könnte das Jahr sein, in dem die seit Jahren umstrittene Elbvertiefung kommt. Es wäre die neunte „Fahrrinnenanpassung“ seit Beginn des 19. Jahrhunderts.

Die Elbe ist eine von Deutschlands wichtigsten Wasserstraßen und Lebensader des Hamburger Hafens. Seit Jahren wird um die geplante Vertiefung und Verbreiterung der Elbe hart gestritten. Die Forderung der Hafenwirtschaft nach freier Schiffbarkeit stehen immer wieder im harten Kontrast zum Umweltschutz. Dass die Elbvertiefung kommt, ist nur noch eine Frage der Zeit, nachdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Ende des vergangenen Jahres zahlreiche Klagen gegen das Baggerprojekt zurückgewiesen hat.

Der geplante Fahrrinnen-Ausbau hat zum Ziel, dass der Hamburger Hafen besser für die neue Generation der Containerschiffe zu erreichen ist. Riesenschiffe mit Platz für bis zu 20.000 Container mit einem maximalen Tiefgang von 16 Metern können den Hafen zwar schon heute anfahren – allerdings nicht voll beladen. Deswegen befürchten Reeder und Terminal-Betreiber Standort-Nachteile, sollte die Verbreiterung und Vertiefung der Fahrrinne nicht bald erfolgen.Wegen des juristischen Widerstands konnte das Projekt seit Jahren nicht realisiert werden.

Eingriffe in der Unterelbe

Vertieft wird der Fahrweg nicht durchgehend, sondern speziell dort, wo Bodenwellen, Falten, Spitzen am Grund der Elbe Schiffen im Weg sind, etwa zwischen Glückstadt und Stade. Bei der Verbreiterung der Fahrrinne geht es vor allem um eine Begegnungszone zwischen Wedel und Wittenbergen. Sie soll den Logistikern und Terminalbetreibern in Hamburg vor allem mehr Zeit verschaffen, um Schiffe zu ent- und zu beladen. Denn Frachter mit viel Tiefgang müssen sich beim Auslaufen auf die Flutwelle setzen. Anders kämen sie aus Hamburg nicht heraus. Besonders große Schiffe wiederum dürfen – wenn sie einander begegnen – zwischen Wedel und Wittenbergen heutzutage nur im Einbahnverkehr fahren. Für den Hafen ist das ein zusätzliches nautisches Hindernis.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Fahrwasser der Elbe schon achtmal vertieft. Immer größere Schiffe mit immer mehr Tiefgang erzwangen stetige Anpassungen. Andernfalls wäre Deutschlands größter Seehafen, der 130 Kilometer Wasserweg von der Küste entfernt im Inland liegt, für die größten Containerschiffe und Massengutfrachter heutzutage längst nicht mehr zu erreichen.

Manche in der Hafenwirtschaft kritisieren, dass die Planungen aus dem letzten Jahrzehnt inzwischen von der Wirklichkeit überholt wurden. Schon jetzt gehören die Schiffe, die die Planer der Elbvertiefung als Standardschiffe definiert haben, im aktuellen Vergleich eher zu den mittelgroßen Frachtern. Und auch nach einer Elbvertiefung könnten Megafrachter mit 400 Meter Länge nicht voll beladen Hamburg anlaufen.

Chronologie der bisherigen Fahrrinnenanpassungen

 

Quelle: NDR/Welt/dpa

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