Uni Aachen testete im Auftrag der Autoindustrie Abgase an Menschen

Die Autolobby soll Abgase auch an Menschen getestet haben. (Foto: dpa)

Gut zweieinhalb Jahre nach Auffliegen des Abgasskandals kommen weiter neue Details an die Öffentlichkeit: Angeblich sollen an der Universität Aachen Schadstoffversuche an Menschen durchgeführt worden sein. Das berichtete am Montag die „Stuttgarter Zeitung“. Über einen Monat lang sollen 25 junge Menschen einmal pro Woche Stickstoffdioxid in unterschiedlichen Konzentrationen eingeatmet haben.

Gefördert wurde die Untersuchung von der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT). Die EUGT wurde nach dem Auffliegen des Dieselskandals von den Autobauern VW, Daimler und BMW gegründet. Veröffentlicht wurde die Studie bereits im Jahr 2016. Das Ergebnis laut EUGT: Angeblich konnten keine Auswirkungen von Abgasen auf den menschlichen Körper festgestellt werden.

Studie laut Institutsleiter nur eingeschränkt aussagekräftig

Laut Institutsleiter Thomas Kraus, den die „Stuttgarter Zeitung“ zitierte, sei die Studie allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Die Befunde ließen sich nicht auf die gesamte Bevölkerung übertragen, außerdem sei Stickstoffdioxid nur ein Teil der gesamten Luftbelastung.

Erst vor wenigen Tagen hatten ähnliche Tierversuche breite Empörung ausgelöst. Affen waren gezielt Schadstoffen ausgesetzt worden. Das Ziel der Auto-Forschungsvereinigung EUGT: Beweisen, dass die Diesel-Schadstoffbelastung durch moderte Technik in der Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. VW soll laut dem Leiter der Tierstudie federführend gewesen sein.

Aufregung über Tierversuche beim Test von Dieselabgasen

Der niedersächsische Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann (CDU) bezeichnete die Tierversuche beim Test von Dieselabgasen als „absurd und unentschuldbar“. Althusmann sagte der Deutschen Presse-Agentur, er erwarte neben einer vollständigen Aufklärung und einem umfassenden Bericht an den Aufsichtsrat „harte personelle Konsequenzen“ für diejenigen, die für diese Tierversuche verantwortlich seien.

Vor dem Hintergrund des Bekanntwerdens der Versuche an Menschen zeigte sich auch Linken-Chefin Katja Kipping empört. Die Politikerin schrieb auf Twitter, die Autokonzerne hätten bei ihrer Forschung „offenbar jeden ethisch-moralischen Kompass verloren“.

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