Korallen, weiß wie der Tod

Vor allem der Klimawandel sorgt dafür, dass Korallen immer weiter sterben.

Je wärmer die Meere, desto häufiger bleichen Korallen lebensbedrohlich aus. Eine neue Studie zeigt: Das passiert inzwischen so oft, dass Riffe sich kaum erholen können.

Schneeweiße Kalkskelette, über Kilometer hinweg am Meeresgrund verteilt. Für Taucher ist dieser traurige Anblick mittlerweile alltäglich: Korallenbleichen kommen immer häufiger vor. Grund ist die globale Erwärmung. Denn erhitzt sich das Meerwasser phasenweise zu stark, geben die bunten Algen, mit denen die Nesseltiere in enger Gemeinschaft leben und denen sie ihre Farbenpracht verdanken, Gifte ab. Als Reaktion darauf stoßen die Korallen ihre Mitbewohner ab: Der Korallenstock verliert seine Farbe.

Auf Dauer können die Nesseltiere, die mit ihren Tentakeln im Meer nach Schwebeteilchen fischen, aber nicht ohne die einzelligen Einsiedler (Zooxanthellen) überleben, da diese ihnen Zucker als Nahrung liefern. Die Folge: Korallenriffe, die sich über Jahrhunderte gebildet haben, sterben binnen wenigen Monaten ab.

Eine neue Studie warnt jetzt davor, dass viele Riffe sich künftig nicht mehr werden erholen können. Denn sie seien in immer kürzeren Abständen von Bleichen betroffen. Gab es zu Beginn der 1980er Jahre durchschnittlich noch alle 25 bis 30 Jahre eine solche Korallenbleiche, treten diese heute im Schnitt alle sechs Jahre auf, wie ein Forscherteam um Terry Hughes von der James-Cook-Universität im australischen Townsville berichtet. Wie die Wissenschaftler im Magazin Science(Hughes et al., 2018) schreiben, ist diese Zeit „zu kurz für eine komplette Erholung der voll entwickelten Gemeinschaften“ am Riff. Somit sei der Bestand dieser Ökosysteme ernsthaft gefährdet.

Hitzewellen im Meer

Für ihre Studie werteten die Forscher Messdaten von weltweit 100 Korallenbänken aus, die in den Jahren 1980 bis 2016 erhoben wurden. Dabei unterschieden sie zwischen moderaten und schwerwiegenden Korallenbleichen. War mehr als ein Drittel eines Riffes von der Bleiche betroffen, galt diese als schwerwiegend. Nur sechs der untersuchten Riffe waren noch von keiner so schwerwiegenden Bleiche betroffen.

Korallen vor (links) und nach (rechts) der Bleiche.

Korallenbleichen sind dabei nur ein Grund dafür, dass Riffe zerstört werden. Überfischung, Umweltverschmutzung, die Bebauung von Küsten, Tourismus und die Versauerung der Ozeane, welche die Kalkskelette der Tiere angreift, sind weitere Ursachen dafür, dass allein in den vergangenen 30 Jahren schätzungsweise 40 Prozent der weltweiten Korallenriffe verschwunden sind. Forscher rechnen damit, dass dieser Trend anhalten oder sich sogar noch beschleunigen wird. Korallenriffe gelten nach den Regenwäldern als die artenreichsten Ökosysteme der Welt. Sie bieten Schutz, Nahrung und Jagdgründe für zahlreiche Meereslebewesen.

Besonders bedroht: das Great Barrier Reef

Laut Terry Hughes ist „die Massensterblichkeit von Korallen weltweit zur Norm geworden“. Hierbei seien die schweren Bleichen nicht mehr nur auf das Klimaphänomen El Niño zurückzuführen, das in zahlreichen Meeresregionen für überdurchschnittliche Wassertemperaturen sorgt. „Jetzt sehen wir das Aufkommen von Bleichen in jedem heißen Sommer“, sagt Co-Autor Mark Eakin von der US-Klimabehörde NOAA.


Insbesondere die Entwicklung der australischen Riffe wie dem Great Barrier Reef besorgt die Wissenschaftler. Dort kam es erstmals in zwei Jahren nacheinander zu Bleichen, was große Schäden im Ökosystem verursachte. Angesichts dieser Bedrohung formulierte der Hauptautor der Studie, Terry Hughes, eine ungewöhnlich deutliche politische Forderung: „Wir hoffen, dass unsere deutlichen Ergebnisse dazu beitragen werden, verstärkte Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase in Australien, den USA und anderswo voranzutreiben.

Quelle: Zeit Online/dpa

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