Die 7 wichtigsten Fragen vor dem Loveparade-Prozess

Der Loveparade-Prozess bewegt die Menschen bis heute. Die Stiftung "Duisburg 24.7.2010" stellt für die Prozessteilnehmer ein Careteam bereit. (Quelle: Bernd Thissen/dpa)

21 tote, 650 Verletzte. Das Love-Parade-Unglück in Duisburg bewegt viele Menschen bis heute. Am Freitag kommt es mehr als sieben Jahre nach der Katastrophe zum Prozess. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Mehr als sieben Jahre hat es gedauert. Nun soll die Love-Parade-Katastrophe vor Gericht aufgearbeitet werden. Am Freitag beginnt der Prozess. 21 Menschen kamen bei dem Event im Sommer 2010 in Duisburg ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Im Verfahren soll geklärt werden, wie es dazu kommen konnte und wer im strafrechtlichen Sinne Schuld trägt. Wer ist angeklagt? Und warum beginnt der Prozess erst jetzt? Die wichtigsten Antworten.

1. Worum geht es in dem Fall?

Am 24. Juli 2010 waren mehrere Zehntausend Menschen nach Duisburg zur Love Parade gekommen. Was eigentlich eine riesige Party hätte werden sollen, endete tödlich: Als zu viele Besucher gleichzeitig an dem einzigen Ein- und Ausgang des Veranstaltungsgeländes waren, wurden 21 Besucher zwischen 17 und 38 Jahren an einer engen Rampe erdrückt. Mindestens 652 Menschen wurden verletzt. Viele von ihnen leiden bis heute körperlich und seelisch unter den Folgen.

2. Wer wird angeklagt?

Nach dem Unglück erhoben Opfer, Angehörige und viele andere schwere Vorwürfe gegen Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller. Die beiden sind in dem Verfahren aber nicht angeklagt. Sie treten als Zeugen auf. Es lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die beiden selbst Einfluss auf die fehlerhafte Planung oder die Erteilung der Genehmigung genommen hätten, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Angeklagt sind stattdessen vier Mitarbeiter des Veranstalters „Lopavent“ und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg, darunter der ehemalige Stadtentwicklungsdezernent sowie die damals zuständige Leiterin des Amts 62 für Baurecht und Bauberatung der Stadt Duisburg.

3. Was wird den Angeklagten vorgeworfen?

Die total zehn Angeklagten müssen sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier leitenden Mitarbeitern des Veranstalters vor, schwerwiegende Fehler bei der Planung gemacht zu haben. Vor allem die Rampe soll zu eng gewesen sein, um die vorhergesagten Besucherströme aufnehmen zu können.

Den Mitarbeitern der Stadt wirft die Anklage vor, die Pläne dafür genehmigt und so ermöglicht zu haben, dass die Love Parade stattfand. Das System habe zu einem sehr frühen Zeitpunkt versagt, lange bevor die Veranstaltung stattfand. Schon da seien die Gefahren absehbar gewesen.

4. Welche Strafe droht den Angeklagten?

Im Verfahren droht ihnen im Falle einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe. Für den Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung drohen den Angeklagten Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

5. Warum findet der Prozess nicht in Duisburg statt?

Die zehn Angeklagten werden von rund 30 Verteidigern vertreten. Der Anklage haben sich rund 60 Nebenkläger angeschlossen. Für diese setzen sich weitere 35 Anwälte ein. Zudem werden zahlreiche Pressevertreter erwartet.

Weil kein Saal des Landgerichts Duisburg groß genug für so viele Menschen ist, findet die Hauptverhandlung in einem Saal des Kongresszentrums in Düsseldorf statt. Er bietet rund 500 Personen Platz. Mehr als 300 Plätze stehen für Zuhörer und Pressevertreter zur Verfügung.

Ausserdem organisiert die Stiftung „Duisburg 24.7.2010“ für jeden Verhandlungstag Notfallseelsorger und Psychologen, die sich um Betroffene kümmern sollen. „Der Prozess wird für Hinterbliebene, Überlebende und andere Betroffene eine enorme seelische Belastung sein“, sagt Jürgen Widera, Vorstand der Stiftung gegenüber dem Spiegel.

6. Warum kommt es erst jetzt, mehr als sieben Jahre nach dem Unglück, zum Prozess?

Der Weg zum Prozess war lang. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauerten mehr als dreieinhalb Jahre. 96 Polizisten vernahmen 3409 Zeugen und sichteten Videomaterial in einer Gesamtlänge von rund 1000 Stunden. Fünf Staatsanwälte und ein Abteilungsleiter waren mit dem Fall befasst.

Mehr als zwei Jahre lang prüfte dann eine Kammer des Landgerichts Duisburg die Anklage, ließ sie am Ende aber nicht zur Hauptverhandlung zu. Eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht Düsseldorf dagegen hatte Erfolg. Eine andere Kammer des Landgerichts Duisburg wurde nun mit der Hauptverhandlung beauftragt.

7. Warum steht das Gericht unter Zeitdruck?

Das Verfahren steht unter Zeitdruck: Gibt es bis Ende Juli 2020 kein erstes Urteil, verjähren die Vorwürfe. Die Verjährungsfrist orientiert sich dabei am möglichen Strafmaß für die Angeklagten. Bei fahrlässiger Tötung drohen fünf Jahre Haft. Nach fünf Jahren sind solche Taten verjährt – wenn die Verjährung nicht unterbrochen wird, etwa durch Vernehmung eines Beschuldigten.

Das Strafgesetzbuch setzt aber eine Obergrenze: Die Verfolgung einer Straftat verjährt spätestens, wenn ein Zeitraum verstrichen ist, der dem Doppelten der gesetzlich festgelegten Verjährungsfrist entspricht. Die sogenannte absolute Verjährung tritt also im Fall der Love Parade nach zehn Jahren ein. Bis Ende 2018 hat das Gericht deshalb 111 Verhandlungstage angesetzt. (dpa/spon/mae)

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