Technologie von Übermorgen – Elon Musks Visionen von der Zukunft

Vom Software Milliardär zum technologischen Wegweiser. Seit Elon Musk 2002 mit dem Verkauf von Paypal zum Milliardär wurde hat er mit Projekten wie dem Raumfahrtunternehmen SpaceX und dem Automoblihersteller Tesla immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Ob die Kolonisierung anderer Planeten oder selbstfahrende Autos, die Ziele Musks sind so hoch gesteckt wie Sie nur sein können. Stecken dahinter bloß wilde Träumereien oder die Technik der Zukunft?

«Ich will bei Dingen mitwirken, die einen deutlichen Unterschied für die Zukunft der Menschheit ausmachen», sagte der gebürtige Südafrikaner einmal. In Pennsylvania studierte er Physik und Wirtschaft, ging ins Silicon Valley, gründete die Internetfirmen Zip2 und PayPal mit und verkaufte sie für Millionen. Das Startkapital war da, die Pläne riesig. Langfristig träumt Musk mindestens vom Mars.

SpaceX:
Das wohl ehrgeizigste seiner Programme ist das Raumfahrtunternehmen SpaceX. 100 Millionen Dollar investierte Musk damals 2002 in die Firma, welche daraufhin mit 130 Mitarbeitern an der Entwicklung einer neuen Rakete, der Falcon-1, begann. Viele Teile der Falcon-1-Rakete, z. B. die beiden Raketenmotoren (Merlin und Kestrel) für die erste und die zweite Stufe, waren Neuentwicklungen.
Nachdem die ersten drei Flüge in Fehlschlägen endeten, startete Falcon 1 im September 2008 erstmals erfolgreich in die Erdumlaufbahn. SpaceX stellte damit die erste komplett privat entwickelte Flüssigtreibstoffrakete, die den Orbit erreichte.

2006 nahm SpaceX am Wettbewerb der NASA zur privaten Versorgung der ISS Commercial Orbital Transportation Services teil und war einer der Gewinner. In Zusammenarbeit mit der NASA erfolgte die weitere Entwicklung und Erprobung der Falcon 9. Am 4. Juni 2010 fand dann der Jungfernflug statt. Versorgungsflüge zur ISS und Satellitenstarts für zahlreiche andere Unternehmen folgten.
Ebenfalls in Eigenregie, jedoch mit NASA-Unterstützung, wurden die Dragon-Kapsel und ihr Nachfolger, die Dragon-2, konzipiert, gebaut und erprobt.

Im September 2014 vergab die NASA auf Basis des vorgestellten Modells der bemannten Version Dragon V2 einen Auftrag in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar zur Realisation des Raumschiffes einschließlich eines Demonstrationsfluges mit zwei NASA-Astronauten. Nach erfolgreichem Flug und Zertifizierung durch die NASA sollen zwei bis sechs bemannte Missionen beauftragt werden.

Im Jahrr 2015 beteiligten sich die amerikanischen Unternehmen Fidelity Investments und Google mit zusammen rund einer Milliarde US-Dollar an SpaceX. Google interessiert sich vor allem für den Plan ein Netzwerk von Satelliten zur Internetversorgung aufzubauen. Die Ausführung soll 10 Milliarden US-Dollar kosten und rund fünf Jahre dauern. SpaceX plant tausende Satelliten in Umlaufbahnen von 1.150 km bis 1.275 km Höhe zu stationieren. Wann erste Satelliten dafür ins All kommen sollen, ist noch nicht bekannt.

Als Meilenstein der Raumfahrt gilt was im Winter 2015 geschah: Im Dezember 2015 kehrt mit der «Falcon 9» erstmals eine Trägerrakete nach einer Mission heil und aufrecht zum Startplatz auf die Erde zurück. Nachdem sie elf Kommunikationssatelliten im All ausgesetzt hat, beschreibt sie in etwa die Bahn eines Kugelschreibers, der sich in der Luft um 180 Grad dreht. Auf dieser Kurve fliegt die «Falcon 9» zurück und landet elf Minuten nach dem Start wieder in Florida. Im April 2016 bringt die «Falcon 9» erstmals einen Frachter auf den Weg Richtung Raumstation ISS. Zuvor waren einige Versuche gescheitert.

«Fly Me to the Moon», zitiert Elon Musk per Kurznachrichtendienst Twitter den Swing-Klassiker von Frank Sinatra und schreibt dann einfach nur: «Ok». Wird gemacht – und zwar schon nächstes Jahr, so zumindest der Plan. Zwei Raumfahrttouristen will Musks Firma SpaceX 2018 um den Mond schicken – es wären die ersten Menschen seit den drei Nasa-Astronauten der «Apollo 17»-Mission 1972, die wieder so tief ins All vordringen. Auch die Nasa selbst und andere Raumfahrtbehörden haben Mondpläne in Arbeit – aber Musk ist der, der es als Erster schaffen will.

Doch das ist noch nicht genug. Im September 2016 stellte Musk detaillierte Ideen für eine Besiedlung des Mars vor. Große Raumschiffe, die im All betankt werden können, sollen mindestens 100 Menschen und riesige Mengen Material transportieren. SpaceX will möglicherweise schon 2018 ein unbemanntes Raumschiff zum Mars schicken, ab 2025 könnten die ersten Menschen seiner Vision zufolge dorthin reisen. Die Nasa schätzt, dass eine Reise nach derzeitigem technischen Stand rund acht Monate dauern würde.

Tesla Motors:
Das Unternehmen wurde 2003 mit dem Ziel gegründet, den Übergang zu einem nachhaltigen Transportwesen zu beschleunigen. Dazu sollten so schnell wie möglich Elektroautos für ein breites Publikum gebaut werden. Der Tesla Roadster, gebaut zwischen 2008 und 2012, war das erste Automobil mit einer Batterie aus Lithium-Ionen-Zellen wie sie z.B. in Laptops zum Einsatz kommen. Damit wurde Geld verdient für die Entwicklung der Oberklasse-Limousine Tesla Model S, wovon von Juni 2012 bis Ende 2015 über 100.000 Exemplare verkauft wurden. Ein Ableger davon ist der etwas größere SUV/Van-Crossover Model X mit Flügeltüren. Das kleinere Model 3 ist angekündigt und wurde bereits hunderttausendfach vorbestellt. Tesla ist derzeit der einzige Fahrzeughersteller, der einen „emissionsfreien Seriensportwagen“ in größeren Stückzahlen verkauft hat.

ARCHIV – Tesla Model S-Autos stehen am 30.04.2015 auf einem Parkplatz der Zentrale von Tesla Motors in Palo Alto, Kalifornien, USA. Tesla Motors veröffentlicht am 22.02.2017 die Zahlen für das 4. Quartal 2016. Foto: John G. Mabanglo/EPA/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++

In der Tesla Gigafactory bei Reno in Nevada wird zudem die Tesla Powerwall gefertigt, eine 7-kWh-Batterie für Privathaushalte, mit der Solarstrom oder günstiger Nachtstrom gespeichert werden kann. Außerdem soll das Solarstromanlagen vertreibende und finanzierende Unternehmen SolarCity, bei dem Musk ebenfalls das Sagen hat, von Tesla übernommen werden. Vorgesehen ist das Ende Oktober 2016 vorgestellte integrierte Konzept „solar roofs + batteries + electric cars“. Hausdächer sollen in Zukunft mit einzelnen „Tesla Glass“-Dachziegeln in verschiedenen Stilarten gedeckt werden können, bei denen die eingebaute Photovoltaik kaum erkannt werden kann. Der Solarstrom soll per Powerwall zwischengespeichert werden und auch für Elektrofahrzeuge genutzt werden. Ebenso sollen die in den Fahrzeugen bereits erhältlichen großen Glasflächen teilweise mit Photovoltaik ausgestattet werden.

Ein weiteres erklärtes Ziel ist der Ausbau der Autopilot-Funktionen für Autonomes Fahren, das 10mal sicherer werden soll als ein Durchschnittsfahrer.Seit Oktober 2015 lässt der Elektroauto-Hersteller Tesla seine Fahrzeuge automatisch die Spur und den Abstand halten. Außerdem sollen sie auch die Spur wechseln und einparken können. Kritik kommt an dem Fahrassistenz-System, als einige Monate später der erste Mensch bei einem Unfall in einem vom Computer gesteuerten Auto stirbt.

Im Oktober 2016 teilte Tesla mit, dass das Unternehmen als erstes in der Branche alle seine künftigen Fahrzeuge zu selbstfahrenden Wagen machen will. Dafür werden neu gebaute Autos mit der nötigen Technik für komplett autonomes Fahren ausgerüstet. Musk sagt zum Zeitplan, dass es bis Ende 2017 zum Beispiel möglich sein solle, von Los Angeles nach New York gefahren zu werden, ohne auch nur einen Handgriff machen zu müssen.

Auch eine Erfindung von Tesla: Verbesserte Ladestationen für Elektroautos. Die sogenannten «Supercharger» brauchen rund 75 Minuten, um einen Tesla-Akku komplett aufzuladen und eine halbe Stunde für eine halbe Ladung. Vier Jahre nach Einführung gibt es Ende 2016 ein Netz von rund 4600 solchen Säulen. Elektroautos verwandeln normalerweise den Wechselstrom von einer Netzstromquelle über ihr Bordladegerät in Gleichstrom, mit dem sie die Batterie laden. Bei den Tesla Superchargern handelt es sich um parallel geschaltete Ladegeräte, die die Fahrzeugbatterie direkt mit bis zu 120 kW Gleichstrom speisen. Sobald die Batterie ihre fast volle Ladung erreicht, beginnt der Bordcomputer des Fahrzeugs den Ladestrom stufenweise zu reduzieren, um ihn auf den optimalen Pegel zum „Restladen“ oder „Auffüllen“ der Batteriezellen einzuregeln.

Hyperloop:
Der Hyperloop ist ein Konzept auf Basis des Transrapids für ein Hochgeschwindigkeitstransportsystem, das durch Solarenergie elektrisch getriebene Transportkapseln mit Reisegeschwindigkeiten von bis zu etwa 1125 km/h auf Luftkissen durch eine stark evakuierte Röhre befördern soll, wie bei der Rohrpost.
Laut dem Konzept sollen auf Stahlbetonstützen zwei nebeneinander liegende Fahrröhren aus Stahl, in denen ein Teilvakuum herrscht, gebaut werden. Darin sollen Kapseln bewegt werden, in denen jeweils bis zu 28 Passagiere Platz finden oder die in einer größeren Variante auch Autos oder andere Lasten transportieren können. Sie sollen reibungsarm auf Luftpolstern gleiten, die durch einen Kompressor mit vor den Fahrzeugen abgesaugter Luft erzeugt werden. Das Teilvakuum ermöglicht Reisegeschwindigkeiten bis knapp oberhalb der bei Normaldruck bestehenden Schallgeschwindigkeit, ohne die Schallmauer durchstoßen zu müssen. Durch die oberirdische Verlegung der Fahrröhren auf Stützpfeilern und entlang bestehender Autobahn-Trassen sollen die Kosten für diesen teuersten Teil des Konzeptes niedrig gehalten werden. Die Stromversorgung soll über Solarzellen auf den Röhren erfolgen

OpenAI:
OpenAI ist eine Non-Profit-Organisation, die sich mit der Erforschung von künstlicher Intelligenz (KI, engl. Artificial Intelligence AI) beschäftigt. Das Ziel von OpenAI ist, künstliche Intelligenz auf Open-Source-Basis auf eine Art und Weise zu entwickeln und zu vermarkten, dass sie der Gesellschaft Vorteile bringt und nicht schadet. Die Organisation ermöglicht eine „freie Zusammenarbeit“ mit anderen Institutionen und Forschern, indem sie ihre Patente und Forschungsergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich macht.

Musk sprüht vor Ideen und regiert über seine Firmensammlung, als hätte sein Tag mehr als 24 Stunden – dabei ist der Mann mit dem jugendlichen Aussehen auch noch Vater von fünf Söhnen. Von deren Mutter, einer Fantasyschriftstellerin, ist Musk geschieden. Seitdem hat er bereits zweimal die britische Schauspielerin Talulah Riley geheiratet und sich wieder scheiden lassen. Das Magazin «Forbes» schätzt Musks Vermögen auf rund 13 Milliarden Dollar.

Dabei gibt sich Musk teilweise eher als Rockstar als als Geschäftsführer, spricht von Achterbahnen in Fertigungshallen und zögert nicht, jede noch so banale Überlegung in die Tat umzusetzen.

Erst vor einer Woche buhlte Musk mit einer Wette um einen 200-Millionen-Auftrag aus Australien. In 100 Tagen will er dank der Gigafactory seines Unternehmens einen Batteriepark in Australien hochziehen – schaffe Tesla das nicht, sei das gesamte Projekt gratis, sagte Musk in einer Twitter-Konversation mit dem australischen Milliardär Mike Cannon-Brookes

Der Mitgründer des Software-Konzerns Atlassian hatte Musk auf einen Artikel in der „Australian Financial Review“ angesprochen, in dem Musk-Cousin und Tesla-Manager Lyndon Rive versprochen hatte, das Energieproblem des Bundesstaates Südaustralien in 100 Tagen lösen zu können. „Wie ernst meint ihr das?“, fragte Cannon-Brookes – und ermunterte Musk so zu seiner Wette. „Legende!“, twittert der Australier anschließend: „Gib mir sieben Tage, um mich um das Politische und die Kosten zu kümmern.“

Was Elon Musk und die Menschen die hinter ihm stehen in Zukunft die Welt verblüffen werden bleibt abzuwarten. Ein Umdenken im Bezug auf Umwelt, technologischen Fortschritt und die mögliche Zukunft der Menschheit abgesehen von finanziellem Profit hat er damit auf jeden Fall ausgelöst.

 

 

Quellen:
Deutsche Presse Agentur
www.spacex.com
www.nasa.gov
www.tesla.com
www.fundersandfounders.com
Twitter
You Tube

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