Der Fall Sherlock: Ist neue Staffel das Ende der Erfolgsgeschichte?

In Staffel vier wird die Serie dunkler als je zuvor. Doch kommt das auch bei den Fans an? Quelle: BBC

Am 01. Januar war es endlich so weit: Die jahrelang erwartete vierte Staffel der britischen Erfolgsserie „Sherlock“ feierte ihre Premiere auf den Fernsehbildschirmen in Großbritannien. Die Autoren und Produzenten warben mit bahnbrechender TV- Geschichte und der besten Staffel überhaupt. Doch die Reaktionen verliefen nicht ganz wie erwartet. Was enttäuschte und was den Hype um die Serie auslöste, das erfahrt ihr in folgendem Dossier.

Stars über Nacht

Die Nacht des 25. Juli 2010 sollte das Leben von Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat, sowie der Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch und Martin Freeman für immer verändern. 7.4 Millionen Zuschauer verfolgten damals die erste Folge der brandneuen Serie auf BBC One, welche die damals kaum bekannten Schauspieler innerhalb von 90 Minuten zu internationalen Stars machte. Mit SMS statt Telegramm, Taxi statt Kutsche und Online-Blog statt Zeitungsartikeln: Selber Fans der originalen Sherlock Holmes Bücher fanden Moffat und Gatiss, dass es passend wäre Arthur Conan Doyles berühmten Detektiv und seinen Partner Dr. Watson in das moderne London zu versetzen – und sie hatten Recht. Die ersten drei Staffeln erhielten alle mehr als 90% auf Rotten Tomatoes, schon die erste wurde allein in Großbritannien von mehr als 90 Millionen Zuschauern verfolgt. Seitdem wurden drei weitere Staffeln, sowie eine Mini-Episode und ein Special produziert, welche insgesamt schon für einen Golden Globe, 25 Emmys und 14 Baftas nominiert wurden. Daraus gewann sie auch acht Emmys und sieben Baftas. Die neuste vierte Staffel wurde Anfang dieses Jahres auf BBC One ausgestrahlt.

Alles weitere was ihr über die Serie wissen müsst ist hier kurz zusammengefasst:

Quellen: The Guardian ( https://www.theguardian.com/media/2010/jul/26/sherlock-holmes-more-viewers-top-gear ), Rotten Tomatoes ( https://www.rottentomatoes.com/tv/sherlock ), Wikipedia ( https://de.wikipedia.org/wiki/Sherlock_%28Fernsehserie%29 )

Rezeption der Fans

Auffällig bei den Fan-Rezeptionen der neuen Staffel ist, dass sich die direkten Reaktionen oft von den späteren unterscheiden. So fielen die Tweets, die live während der Ausstrahlung gesendet wurden, zunächst eher positiv aus. Solche Live-Tweets, die beispielsweise zur dritten und letzten Folge der vierten Staffel unter #SherlockReacts veröffentlicht wurden, sind in diesem Video des offiziellen Sherlock YouTube Channels sehr gut zusammengefasst:

Im Verlauf der darauffolgenden Tage schien sich das Fandom aber dann in zwei Seiten aufzuspalten. So stellte sich eine Seite komplett gegen die Autoren und Produzenten, sowie das Konzept der vierten Staffel.

Besonders auch auf YouTube haben sich viele mit dem Thema „Queerbaiting“ beschäftigt. Unten stehendes Video schaffte es das Problem rational vorzustellen und Verständnis zu schaffen – ohne Hass.

Doch nicht alle Kritik fiel negativ aus. Die meisten restlichen Fans distanzierten sich bewusst von den #norbury Tweets und den Hasspredigern und verteidigten sowohl die Serie als auch die Involvierten.

Falls auch ihr Fans von Sherlock sein solltet und eure Meinung zur neuen Staffel und den Vorwürfen gegen sie mitteilen wollt, habt ihr mit folgender Umfrage die Möglichkeit dazu.

Reaktion der Autoren

Auf die Kritik selbst reagierten die Autoren relativ gelassen. Es wäre Zeit, behauptete Mark Gatiss sogar in einem Interview mit „The Guardian“ und verfasste als Antwort ein kleines Gedicht.

http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/tv/news/sherlock-season-4-backlash-mark-gatiss-a7556386.html

Mark Gatiss Responds To Sherlock Critics – With a Poem

Und auch in einem Fan Panel der Cambridge Union reagieren beide recht ruhig auf kritische Fragen, wie zum Beispiel ab 49.20 min:

Kritik sei bei ihrem Erfolg normal und „a good problem to have“ (Mark Gatiss) da es bedeutet, dass sich viele Leute mit der Serie auseinandersetzen. Zu Repräsentation von bestimmten Gruppen in TV-Serien äußerte sich Gatiss nur allgemein: „Fundamentally we’re trying to create an exciting television programme and not just tick boxes and try and please all the people all the time cause it’s absolutely impossible. (…) We’re doing our best.“

Explizit zum Thema „Queerbaiting“ sagten sie bisher noch nichts. Doch Gatiss oben zitierte Aussage und die eher ablehnenden Reaktionen der Autoren auf frühere Johnlock betreffende Fragen weisen darauf hin, dass sie die Meinung der betreffenden Fans zu diesem Thema nicht zu teilen scheinen. Ein Beispiel für diese Reaktionen sind in diesem Tweet zusammengefasste Auszüge eines auf Tumblr durchgeführten Q&A’s vom 16. Dezember 2016:

Nun sind sie dafür bekannt nicht immer die Wahrheit zu sagen, doch bisher scheint man hier eher vergeblich auf eine explizite Beziehung der beiden Hauptcharaktere hoffen zu können.

Zukunftsaussichten

Ob es eine weitere Staffel geben wird ist bisher noch unklar. Offiziell heißt es man müsse sich an den vollen Terminplänen der Schauspieler orientieren. Ob die gesunkenen Ratings und die Hassnachrichten sich allerdings positiv auf diese Entscheidung auswirken ist natürlich fragwürdig. Dennoch konnte durch die Kritik Aufmerksamkeit auf ein gesellschaftliches Problem gelenkt werden, dass vor allem die neuen Generationen ändern zu wollen scheinen. Doch dass „Sherlock“ jemals als explizite Repräsentation der LGBT-Community funktionieren wird, ist nach bisherigen Reaktionen der Autoren eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist aber, dass sowohl Gatiss und Moffat als auch die BBC das tun werden, was sie immer machen: ihr eigenes Ding.

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