Mordverdacht: 85 Jahre alte Seniorin erstickt

Ein Schild mit der Aufschrift "Seniorenhaus 'Lambrechter Tal'" steht am 14.01.2017 in Lambrecht (Rheinland-Pfalz) vor dem Altenpflegeheim der Arbeiterwohlfahrt. Foto: Uwe Anspach/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ein 23 Jahre alter Pfleger gibt zu, die 85 Jahre alte Dame im Seniorenheim erstickt zu haben. Einige seiner Kollegen befinden sich derzeit in Untersuchungshaft, weil es noch ungeklärte Todesfälle gibt. «Chaotische Zustände» haben dort nach Angaben des mutmaßlichen Täters mit üblen Späßen an den Senioren schon seit längerem geherrscht.

Nach dem Tod einer Seniorin im Pflegeheim im pfälzischen Lambrecht hat ein Pfleger ein Geständnis abgelegt. Der 23-jährige Verdächtige räumte im Zuge der Ermittlungen ein, die 85-Jährige mit einem Kissen erstickt zu haben, wie die Staatsanwaltschaft Frankenthal am Montag auf Nachfrage erklärte. Diese Information sei den Ermittlern schon länger bekannt, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Ströber. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung (Montag) über das Geständnis berichtet.

In dem Heim sollen nach Angaben des Verdächtigen «chaotische Zustände» geherrscht haben. «Mit den alten Leuten wurden üble Späße getrieben. Wir setzten den Bewohnern Hüte auf, bespritzten sie mit Wasser, lachten sie aus, nahmen Scherz-Videos auf», teilte der Verdächtige über seinen Anwalt zunächst der «Bild» mit. Ähnlich äußerte sich der Verteidiger am Montag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Markus Brockmann als Verantwortlicher des Heims hatte die Videos schon zuvor als «entsetzlich» bezeichnet. Daran habe sich nichts geändert, erklärte der Geschäftsführer des Bezirksverbandes Pfalz der Arbeiterwohlfahrt am Montag.

Neben dem ehemaligen Mitarbeiter des Heims, der nun über seinen Anwalt die Mithilfe zur Aufklärung angekündigt hat, sitzen zwei weitere Verdächtige – ebenfalls frühere Angestellte – in Untersuchungshaft: Eine 26 Jahre alte Frau und ein 47-Jähriger. Von ihnen liegt bislang kein Geständnis vor.

Der mutmaßliche Täter habe vor seinem Geständnis zunächst eine andere Person der Misshandlung von Schutzbefohlenen in dem Altenheim bezichtigt, sagte Ströber. Erst durch diese Anschuldigung ergaben sich weitere konkrete Hinweise auf den mutmaßlichen Mord in der Pfalz. Die Staatsanwaltschaft prüft nun auch alle weiteren 40 Todesfälle, die sich in dem Heim zwischen Dezember 2015 und September 2016 ereignet haben.

«Ich gehe überhaupt nicht davon aus, dass es sich bei jedem um ein Tötungsdelikt handelt», erklärte Ströber. Jedoch gebe es bei mindestens einem weiteren Bewohner konkrete Hinweise auf ein Tötungsdelikt des verdächtigen Trios. Erschwerend könnte sich auf die Ermittlungen auswirken, dass sich viele Menschen nach dem Tod verbrennen lassen. Exhumierungen hätten bislang nicht stattgefunden, sagte Ströber. Dafür brauche es konkrete Hinweise auf einen  Erkenntnisgewinn.

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler dem Trio dank einer Mitarbeiterin, die von Handyaufnahmen erfahren und die Heimleitung darüber informiert hatte. Dadurch hatten sich Hinweise auf Misshandlungen und Demütigungen der teilweise dementen Heimbewohner ergeben. Der Verteidiger betonte, sein Mandant habe das Handy bei der Polizei abgegeben und damit selbst maßgeblich zur Aufklärung der Straftaten beigetragen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz teilte indes mit: «Eine Kultur des Hinschauens scheint es in Lambrecht nicht gegeben zu haben. Wichtig ist, dass der Träger jetzt weiter für eine lückenlose Aufklärung sorgt.»

Quelle: dpa

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