Vor Oscarverleihung: Die Spannung steigt

ARCHIV - Eine übergroße Oscar-Statue steht vor der Verleihung der 88. Academy Awards vor dem Dolby Theatre in Hollywood, Kalifornien, aufgenommen am 24.02.2016. (zu dpa-Story - "Trump, 'Toni Erdmann' und das Oscar-Geheimnnis" vom 17.02.2017) Foto: John G. Mabanglo/EPA/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Vieles ist bereits absehbar, vieles aber noch nicht. Die 89. Oscar-Verleihung verspricht auf jeden Fall spannend zu werden. Donald Trump und La La Land im Fokus.

Von Barbara Munker, dpa

Geht es bei der Oscar-Gala leicht beschwingt zu, untermalt von den verspielten «La La Land»-Klängen? Oder wird es die Nacht der Kampfansage an US-Präsident Donald Trump, mit harten politischen Tönen? Beides kann passieren, wenn Hollywood zum 89. Mal sich und seine größten Stars feiert. Nach einer langen Trophäen-Saison und dem Machtwechsel im Weißen Haus sind zwei Dinge so gut wie sicher: Für Trump gibt es Hiebe, für die Musical-Romanze «La La Land» Preise.

Die Golden-Globe-Gala im Januar war ein Vorgeschmack: «La La Land» stellte mit sieben Weltkugeln einen historischen Globe-Rekord auf, doch am Ende sprachen alle über Meryl Streep. Die Schauspielerin hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die Pressefreiheit und den Schutz von Minderheiten und teilte mahnend gegen Trump aus, ohne seinen Namen zu nennen. In der Oscar-Nacht (26./27.2.) könnten es ihr viele Stars nachmachen, wenn das liberale Amerika vor einem Millionenpublikum im Rampenlicht steht.

Mit sensationellen 14 Nominierungen ist «La La Land» der große Oscar-Favorit. So viele Gewinnchancen hatten bislang nur das Drama «Titanic» aus dem Jahr 1997 und der Klassiker «Alles über Eva» von 1950. Die Romanze von Damien Chazelle, mit Emma Stone und Ryan Gosling als tanzendes und singendes Paar, erinnert an Musicalklassiker des alten Hollywood.

In der 88-jährigen Oscar-Geschichte haben nur zehn Musicals den Spitzenpreis als «Bester Film» geholt, zuletzt gelang das «Chicago» (2003), Jahrzehnte davor «Oliver» (1969). «La La Land» hat beste Chancen – schließlich gab es im Januar schon den Filmpreis der US-Produzenten, traditionell holt dieser Gewinner auch den Top-Oscar. Der erst 32 Jahre alte Damien Chazelle könnte seinen ersten Regie-Oscar in der Hand halten. Anfang Februar sahnte er bereits die wichtige Auszeichnung der US-Regisseursvereinigung DGA ab.

«Ich habe diesen Film vor sechs Jahren in einer sehr anderen Zeit geschrieben, die in der Welt hoffnungsvoller schien», sagte Chazelle bei der Verleihung. Er wünsche sich, dass sein Film «eine Art Hoffnung gibt». Es gibt allerdings auch schon einen «La La Land»-Backlash. Charmant, aber alles recht seicht, kreiden Gegner dem Musical an. Und Stone und Gosling könnten weder tanzen noch gut singen.

«La La Land» scheinen Trophäen sicher, doch die 89. Oscar-Gala bleibt weiter spannend. Schließlich sind unter den neun Anwärtern für den «Besten Film» hochkarätige Dramen wie «Manchester by the Sea», «Moonlight», «Lion» und «Fences». Gleich acht Nominierungen holte das berührende Independent-Drama «Moonlight» über das schwierige Heranwachsen eines schwarzen schwulen Sohnes einer drogensüchtigen Mutter.

Schwarze Stars und Themen stehen neben «La La Land» im Rampenlicht. Hatten es bei den letzten beiden Oscar-Verleihungen keine Afroamerikaner in die vier begehrten Schauspielerkategorien geschafft, so ist diesmal Vielfalt angesagt.

Gleich drei schwarze Schauspielerinnen treten in der Sparte «Beste Nebendarstellerin» an: Viola Davis für «Fences», Octavia Spencer als NASA-Wissenschaftlerin in «Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen» und Naomie Harris als Mutter und Junkie in «Moonlight».

Denzel Washington könnte mit dem von ihm inszenierten Rassismusdrama «Fences» zweifach gewinnen, als Produzent und als Hauptdarsteller. Auch Casey Affleck sollte eine Dankesrede parat haben. Mit seinem packenden Porträt eines gebrochenen Mannes in «Manchester by the Sea» wird er schon lange als Favorit gehandelt.

Emma Stone könnte eine der vierzehn «La La Land»-Nominierungen in Gold umsetzen und damit ihren ersten Oscar gewinnen. Meryl Streep, unlängst von Donald Trump als eine «der überbewertetsten Schauspielerinnen in Hollywood» attackiert, hat schon drei Oscars. Die 20. Nominierung verdankt sie jetzt ihrer Rolle einer untalentierten Opernsängerin in der biografischen Komödie «Florence Foster Jenkins».

Es ist auch ein starkes Jahr für «Made in Germany». Vor zehn Jahren stand Florian Henckel von Donnersmarck mit dem Auslands-Oscar für das Stasi-Drama «Das Leben der Anderen» triumphierend auf der Bühne. Nun könnte es ihm Maren Ade mit ihrer Vater-Tochter-Geschichte «Toni Erdmann» nachmachen. Der Düsseldorfer Komponist Volker Bertelmann (Künstlername: Hauschka) ist mit seiner Musik für «Lion» im Rennen, Marcel Mettelsiefen mit der Flüchtlings-Doku «Watani: My Homeland».

Der Dokumentarfilmer begleitete dafür eine syrische Familie auf ihrer Flucht nach Deutschland. Nun soll ihn die vierfache Mutter Hala, deren Mann von der Terrormiliz IS entführt wurde, auf dem roten Teppich begleiten. «Dieser Film ist wichtig, gerade jetzt zu Zeiten von Trump», sagt der Regisseur. Die Oscar-Bühne als Plattform für Protest? Es wird eine «politische Veranstaltung», prophezeit der Oscar-Kandidat.

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