Der gemeinsame Feind Klimawandel

A city showing the effect of Climate Change

Die Einigung auf ein erneutes Klimaabkommen sorgte im Dezember 2015 für Überraschung und viel Jubel. Was wurde vereinbart und wie schlimm steht es um unsere Erde?

 

Der 12.12.2015 ist ein historisches Datum: Auf dem 21. UN-Klimagipfel in Paris trafen alle Mitgliedsstaaten aufeinander. Tagelang wurde verhandelt und am Ende wurde gejubelt.

 

 

Doch was genau wurde eigentlich beschlossen? Das Paris-Abkommen ist die Kündigungserklärung an ein Modell, das der Menschheit seit dem Beginn der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert stetigen Fortschritt, Wachstum und teils auch Wohlstand beschert hat: die Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas. Es ist der erste internationale Vertrag, in dem Industrie- und Schwellenländer gemeinsam erklären, Treibhausgasemissionen einzudämmen. Das Ziel ist es, die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf 1,5 Grad, maximal 2 Grad, zu beschränken. Grundlage sind freiwillige Klimaschutzpläne, die 186 Staaten im Vorhinein zur Konferenz eingereicht haben. Mit diesen Plänen würde das Zwei-Grad-Ziel jedoch immer noch verfehlt werden, daher sieht das Abkommen vor, dass die Staaten ab 2020 alle fünf Jahre neue oder überarbeitete Pläne einreichen müssen. Darüber hinaus wurde beschlossen, dass weniger finanzstarken Staaten von 2020 bis 2025 jährlich 100 Mrd. Dollar zur Verfügung gestellt werden.

 

Solch eine Einigung war längst fällig. In der Vergangenheit schienen die UN-Mitgliedsstaaten geradezu kompromisslos zu sein:

 

 

Tja, George W. Bush trat sogar aus den Verhandlungen und dem Kyoto-Protokoll aus. Er konnte ja gar nicht anders, als Republikaner ist er verpflichtet, den Klimawandel mit Inbrunst zu leugnen und ebenso, dass wir Menschen für etwas dergleichen verantwortlich sind – alles Humbuk.

Doch zeigen Daten wie die Anstiege der Temperaturen und Treibhausgase etwas anderes. So ermittelte die NASA, dass die Lufttemperatur konstant ansteigt (siehe Abbildung). Und merken wir in Deutschland auch was? Tatsächlich werden unsere Dezember immer wärmer.

 

 

Wie sehr sich unsere Umwelt schon verändert hat, vergessen wir manchmal. Dabei sind die Auswirkungen ebenso furchtbar wie zahlreich: Dürren, Überschwemmungen, Tiere und Pflanzen, die aussterben.

 

 

Das Polareis schmilzt, die Eisdecke wird rissig. Weit weg ist diese Veränderung dennoch nicht. Weniger Polareis bedeutet zum Beispiel auch, dass der Meeresspiegel steigt. Genau genommen sind es drei Meter mehr Wasser, wenn das gesamte Polareis schmelzen würde. Klingt erst mal nicht viel. Doch zeigt ein kleines Schaubild, dass zum Beispiel Hamburger nasse Füße bekommen würden.

 

Schmilzt das gesamte Polareis, erhöht sich der Meeresspiegel um drei Meter

Schmilzt das gesamte Polareis, erhöht sich der Meeresspiegel um drei Meter

 

Die Augen kann man längst nicht mehr vor der Veränderung des Klimas verschließen. Sorgen scheinen sich jedoch eher die Industrieländer zu machen, als Entwicklungsländer. Denn dort lautet das Argument meistens, dass die Industrienationen genug Zeit hatten sich aufzubauen und zu wappnen. Ein Entwicklungsland ist China jedoch längst nicht mehr – eine Industrienation wäre wohl passender. Während andere Industrieländer ihre Emissionen zumindest drosseln konnten, scheinen Chinas Abgase ein Fass ohne Boden zu sein.

 

Emissionen pro Kopf 1992

Emissionen pro Kopf 2011

 

Etwas aufatmen kann man bei der Entwicklung Europas und auch Deutschlands schon. Doch reichen diese kleinen Fortschritte noch lange nicht. Wenn wir den Temperaturanstieg um 1,5 Grad halten beziehungsweise erreichen wollen, dann müsste sich schon drastisch etwas ändern. In Deutschland wie auch global. In beiden Fällen lautet der Feind fossiler Brennstoff. Er kommt in Form von billiger Energie – Kohle, Öl und Gas. In Deutschland nehmen die energiebedingten Emissionen durch die erneuerbaren Energien leicht ab – aber bisher eben, nur leicht.

 

 

Wollen wir etwas erreichen heißt das, dass das 35 Prozent aller Ölreserven, 52 Prozent des Erdgases und 88 Prozent der Kohle im Boden bleiben müssten. Um trotz dieser Vorgaben möglichst rentabel produzieren zu können, dürften einige Länder mehr und einige weniger schwer Öl fördern und Kohle entnehmen. Wie so ein Abkommen aussehen könnte, sehen Sie hier:

 

 

Damit das auch passiert, beharren manche Unternehmen wie BP Shell und weitere auf einen festgelegten CO2-Preis. Denn nur, wenn fossile Brennstoffe teurer werden, lohnt es sich für Unternehmen und Regierungen in erneuerbare Energien zu investieren. Auch ein strengerer Emissionshandel für den sich Unternehmen wie Adidas, Aldi Süd, Commerzbank und EnBW engagieren, ist im Gespräch. Aber nicht nur die Politik und die Wirtschaft sind in der Pflicht.

Mit einem kleinen Rechenspiel lässt sich erkennen, dass wir Bürger enorm dazu beitragen werden, ob wir erfolgreich sein werden oder scheitern. 1990 lag der Pro-Kopf-Wert des Treibhausgases in Deutschland bei 15,7 Tonnen jährlich. Erfolgreich wären wir, wenn er 2020 nur noch bei 9,4 Tonnen läge. 2015 stieß jeder deutsche Bürger noch 11,4 Tonnen pro Jahr aus – für jeden von uns heißt das, dass er noch zwei Tonnen zu viel pro Jahr ausstößt. Wäre es möglich diese im eigenen Haushalt einzusparen?

 

Dass es klappt zeigt dieses Diagramm:

 

 

Die Formel, die mit dem CO2-Rechner für eine kleine Familie berecnet wurde, klingt ganz leicht: Weniger duschen, Wassersparamaturen installieren und von der Kipp zur Stößlüftung umstellen bringt schon mal einen Zwischenwert von 1,8 Tonnen. Senken wir nun auch noch die Raumtemperatur auf 20 Grad und modernisieren den Brennwertkessel, haben wir nur noch 1,5 Tonnen auf unserem Konto. Kommen noch LED-Lampen und energieeffiziente Haushaltsgeräte dazu, sind wir bei einem CO2-Wert von 1,3 Tonnen im Jahr. Lässt man das Familienauto 4000 km stehen, liegen wir sogar nur noch bei 0,5 Tonnen. Die letzten 0,5 Tonnen sparen wir mit dem Kauf der richtigen Lebensmittel ein: fleischreduziert, saisonal, regional und biologisch sollten sie sein. Und so können zumindest wir Bewohner der Erde tatsächlich unser Klimaziel erreichen. Übrigens tut es auch schon eine Fernreise weniger im Jahr.