Fukushima: Was hat sich in 5 Jahren getan?

5 Jahre ist es her und doch nicht vergessen. Eine Zusammenstellung unterschiedlicher Blickwinkel auf die Atomkatastrophe.

Quelle: +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Ein Kind und seine Mutter protestieren am 11.03.2016 im Hafen in Hamburg gegen Urantransporte im Hamburger Hafen. Hinter ihnen hängt das Plakat „Fukushima mahnt: Atomausstieg sofort!“. Die Atomkatastrophe in Fukushima jährt sich zum fünften Mal.

„Le Monde“: Lehren aus Fukushima noch nicht gezogen

Paris (dpa) – Die französische Tageszeitung „Le Monde“ kommentiert am Samstag den fünften Jahrestag des Atom-Unfalls von Fukushima:

„In vielen anderen Ländern, angefangen in Frankreich, sind die Lehren der Katastrophe von Fukushima noch längst nicht gezogen worden. (…) Die Eigenheit der Atomindustrie ist, dass – auch wenn das Risiko einer großen Katastrophe gering ist – die Konsequenzen eines solchen Vorfalls unermesslich sind. Diese einfache Überlegung sollte mehr als alles andere wiegen in der Abwägung der Energieoptionen durch die Regierungen. Besonders in Frankreich, das am meisten auf Kernenergie gesetzt hat, und das ebensowenig vor einem atomaren Beben geschützt ist wie irgend ein anderes Land.“

 

Doris Dörrie zum Dreh in Fukushima: „Wir hatten Angst“

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Berlin (dpa) – Filmemacherin Doris Dörrie (60) hat bei ihren Dreharbeiten im japanischen Fukushima große Sorgen gehabt.

„Staub und Dreck wirbelten wochenlang durch die Luft. Wir hatten Angst. Mit Dosimetern haben wir immer wieder die Strahlenbelastung gemessen“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Im Atomkraftwerk Fukushima war es im März 2011 zu Kernschmelzen gekommen. Dörrie schildert in ihrem Schwarz-Weiß-Drama „Grüße aus Fukushima“ die Verzweiflung nach dem Unglück. Die Debatte über die Folgen lassen Dörries Eindrücken zufolge in Japan aber mittlerweile nach: „Im privaten Gespräch bekennen sich viele zu ihrer Wut, Frustration, auch Angst. Aber öffentlich hat sich nichts geändert“, sagte sie.

 

„Kleine Stimmen aus Fukushima“ von der japanischen Filmemacherin Hitomi Kamanaka (lesen Sie weiter)

Dortmund (epd). Die japanische Regierung verschleiert nach Auffassung der Regisseurin Hitomi Kamanaka bis heute das Ausmaß der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Die mangelhafte Informationspolitik der Regierung habe maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Menschen in der Unglücksregion nicht im Rahmen der Möglichkeiten vor den gefährlichen Strahlen geschützt haben, kritisierte die japanische Filmemacherin bei der Vorstellung ihres Fukushima-Films am Freitag in Dortmund. So sei beispielsweise die Herausgabe von Jod-Tabletten schon nach kurzer Zeit untersagt worden.

In dem zweistündigen Werk „Kleine Stimmen aus Fukushima“ der Japanerin kommen vor allem Mütter und Kinder zu Wort, die durch die radioaktiven Strahlen gesundheitliche Schäden erlitten haben, unter anderem Herzkrankheiten und Schilddrüsenkrebs. 360.000 Betroffene müssten sofort Erholungsmaßnahmen bekommen, fordert die Japanerin. Darüber hinaus zeigt sie auf, dass die radioaktive Belastung des Erdreichs auch außerhalb der Schutzzone um den Reaktor die zulässigen Grenzwerte um das 430-Fache übersteigt.

Während der Reaktorexplosion sei in Japan bei der TV-Live-Schaltung der Begriff Radioaktivität vermieden und von Wasserstoff gesprochen worden, kritisierte die Filmemacherin. Auch sei die Bevölkerung nicht informiert worden, dass die radioaktive Wolke weitergezogen sei. Nach wie vor sei das Kraftwerk eine große Gefahr, unterstrich Kamanaka. Bis zu 400 Tonnen an radioaktiv verseuchtem Wasser fließe von dort ins Meer.

Inzwischen sind zwar die ersten der 160.000 Menschen, die vor fünf Jahren aus der Schutzzone evakuiert wurden, wieder zurückgekehrt, wie die Regisseurin berichtete. Das Gebiet sei jedoch noch immer verseucht. Ein Teil des belasteten Erdreichs sei inzwischen in rund neun Millionen Müllsäcke gefüllt worden, die offen herumstünden. Nach offiziellen Angaben hat die Regierung bislang bereits 50 Milliarden Euro ausgegeben, um das Gebiet zu dekontaminieren, aber damit erst drei Prozent des gesamten Volumens bewältigt. Zahlreiche Organisationen warnen die Menschen, sich angesichts der radioaktiven Gefahren wieder in ihrer einstigen Heimat niederzulassen.

In der Region Fukushima leben rund zwei Millionen Menschen. Hunderttausende hätten das Gebiet inzwischen verlassen. Sie würden für ihre Entscheidung von denen, die geblieben sind, scharf verurteilt, berichtete Kamanaka. Auch sie selbst erlebe mit ihren Filmen in Japan Kritik und Widerstand. Für ihre Arbeit nimmt die Regisseurin auch gesundheitliche Folgen in Kauf. Als sie ihren ersten Film über Atomkraft gedreht hatte und dazu in den Irak gereist war, entdecken die Ärzte fünf Jahre später bei ihr Krebs, den sie inzwischen überwunden hat.

Der Film, der am Sonntag im Düsseldorfer EKO-Haus der japanischen Kultur zu sehen ist, wird bundesweit in mehreren Städten gezeigt. Die Vorführungen gehören zum Programm der Aktionswochen „Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“, die das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk am Freitag, zum fünften Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima eröffnet hat.