Tempelhofer Freiheit- auch für Flüchtlinge?

Auf dem Tempelhofer Flugfeld wird die größte Flüchtlingsunterkunft Deutschlands entstehen. 7.000 Flüchtlinge sollen auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Platz finden. Wird aus der beliebten Berliner Freifläche nun ein Flüchtlingsghetto?

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Auf dem Tempelhofer Flugfeld wird die größte Flüchtlingsunterkunft Deutschlands entstehen. 7.000 Flüchtlinge sollen auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Platz finden. Wird aus der beliebten Berliner Freifläche nun ein Flüchtlingsghetto?

Ende Januar hat der Berliner Senat das umstrittene Gesetz beschlossen, welches die ursprüngliche auf einem Bürgerentscheid beruhende Entscheidung, das Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens unbebaut zu lassen, revidiert. Das neue Gesetz sieht eine temporäre Bebauung für maximal drei Jahre vor, bis zum 31.12.2019. Allerdings werden nur die Flächen seitlich des Vorfeldes bebaut und diese machen keine vier Prozent der gesamten Freifläche aus.
Aktuell sieht es auf dem Tempelhofer Feld so aus:

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Bildungszentrum geplant Bereits vor der Entscheidung des Senats waren 2.500 Menschen in den Hangars untergekommen. Nun sollen südlich und östlich, seitlich des Vorfeldes, fünf weitere temporäre Flüchtlingsunterkünfte und sieben weitere Traglufthallen hinzukommen. Neben der reinen Unterbringung soll nach den Plänen des Senats für Stadtentwicklung dort ein Bildungszentrum, Fußballfelder und Sportplätze, sowie Zelte zur medizinischen Versorgung entstehen.

Während die „Bildungshalle“ in der Kinder und Jugendliche an schulvorbereitenden Sprachkursen teilnehmen können, rund 4200 Quadratmeter groß sein soll, ist der eigentliche Wohnplatz für die Flüchtenden mit zwei Quadratmetern sehr klein bemessen. Wie es sich auf 2 Quadratmeter leben lässt, sieht man hier:

Trotz der kleinen Einheiten entstehen für jeden untergebrachten Menschen auf dem Tempelhofer Flughafengelände pro Monat Kosten von 1.200 Euro.

Die Unterbringung auf dem Gelände erfolgt in kleinen abgetrennten "Wohn- und Lebensflächen" wie hier in Hangar 2.

Die Unterbringung auf dem Gelände erfolgt mittlerweile in kleinen abgetrennten „Wohn- und Lebensflächen“ wie hier in Hangar 2.

Ein Ghetto in der Stadt?

Damit sei „größte, schlechteste und teuerste Flüchtlingsunterkunft in Berlin“, kritisiert der Flüchtlingsrat und auch die Opposition bezeichnet die Entscheidung des rot-schwarzen Senats als eine „reine Verzweiflungstat“. Weil die dort untergebrachten Menschen keine Perspektive hätten, attestiert der Flüchtlingsrat für das Leben auf dem Flughafengelände ein „enormes Depressionspotenzial“.

Die Grünen waren vor einer Ghettoisierung und betonten, dass durch Massenunterbringung einer Reihe neuer Probleme entstünden. Auch die Initiave 100% Tempelhofer Feld plädiert für eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen innerhalb der Stadt und spricht von „menschenunwürdiger Unterbringung“.

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Abgeordnete der Grünen hielten während der Aktuellen Stunde zur Flüchtlingssituation Schilder zum Protest gegen die vom Senat geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes hoch. – Foto: dpa

Fast 10.000 Menschen allein im November

Der Berliner Senat argumentiert dagegen, dass er Geflüchtete so vor Obdachlosigkeit beware und die Nutzung des Tempelhofer Flughafens nur vorübergehend sei. Im vergangegen Jahr 2015 kamen nach Auskunft der Senatsverwaltung 79.034 Flüchtlinge in Berlin an. Für das kommende Jahr wagt die Berliner Verwaltung keine Schätzung. Es gebe dafür derzeit keine verlässlichen Prognosen, heißt es dazu aus der Sozialverwaltung. (Stand: 07.01.2016, Quelle: rbb).
Doch woher kommen die Menschen? Hier eine Aufschlüsselung der Herkunftsländer der 9.908 Asylbewerber, die im November 2015 nach Berlin flüchteten (zu den Rohdaten).

Ob es bei der vorübergehenden Nutzung bleibt, wird sich zeigen. Fakt ist: das Gelände des Flughafen Tempelhofs blickt auf eine lange Geschichte zurück: