Das erste Jahr – Wie ein Baby das Leben wirklich verändert

Schlafmangel, Geldprobleme, Kinderkrankheiten und ein unbefriedigendes Paarleben. Wenn Eltern über ihre Babies sprechen, zeichnen sie oft Horrorszenarien – gefolgt von beschwichtigenden Sätzen, wie: „Das ist es Wert.“ Was steckt hinter diesen zwiespältigen Aussagen? Ein Selbsterfahrungsbericht in Zahlen.

Sie waren mir schon immer suspekt: Meist treten sie in Rudeln auf. Stets übermüdet, gereizt und chaotisch. Und immer hat mindestens einer diesen Satz auf den Lippen: „Es ist schon sehr anstrengend, aber wenn das Baby lächelt, ist alles vergessen.“ Eltern eben.

Nun gehöre ich selbst dazu. Vor einem Jahr habe ich mich dieser Rudel-Gattung angeschlossen. Freiwillig, muss ich an dieser Stelle betonen. Natürlich im Glauben, dass bei mir alles anders werden würde: Ich würde mich nicht über durchwachte Nächte beklagen, hätte nicht das Hauptgesprächsthema Kolliken und auf gar keinem Fall würde mich unser Kind in meiner Lebensgestaltung einengen.

Tja, was soll ich sagen? Da ich mir selbst verboten habe mich über die Umstände zu beklagen, lasse ich heute Zahlen sprechen. Im letzten Jahr haben ich alle möglichen Daten zu unserem Leben mit Baby gesammelt. Sie sollen helfen die Frage zu beantworten: Wie verändert sich das Leben mit einem Kind?

 

Schlafenszeit

Der Schlaf eines Babys: Oft und leider auch kurz. Quelle: Nadine Klopfenstein

Der Schlaf unseres Sohnes: Mehrmals am Tag ein Mini-Nickerchen. Quelle: Nadine Klopfenstein

Um darüber diskutieren zu können, ob Eltern konstant übermüdet sind oder einfach nur herumjammern, muss zuerst die Frage geklärt werden: Wie lange schlafen denn Babies eigentlich? Und kann man sich in dieser Zeit erholen?

Die Schlafmenge variiert von Kind zu Kind sehr stark. Der berühmte Kinderarzt Remo Largo definiert in seinem Buch „Babyjahre“ eine Zeitspanne zwischen 14 und 20 Stunden pro Tag. Je älter das Kind wird, desto weniger wird sein Schlafbedarf.

Unserem Baby ist diese Theorie leider unbekannt. Es schlief von Anfang an im Durchschnitt etwa 12 Stunden an einem Tag. Es hat sich auch dem „Gesetz“ des weniger werdenden Schlafes widersetzt und ist in seiner Schlafdauer konstant geblieben. Es waren im ersten Monat 12 Stunden und es sind im 11 Monat immer noch 12 Stunden pro Tag.

Eigentlich eine durchaus lange Zeit. Schliesslich verschläft unser Sohn die Hälfte des Tages. Aber können wir uns in dieser Zeit auch erholen? Das verrät uns die durchschnittliche Schlafdauer.

Hier kommt das eigentliche Problem: Babies schlafen über den ganzen Tag verteilt immer wieder einmal. Wir haben das „Power-Napping“ genannt. Unser Sohn war Meister darin eine kurze Viertelstunde einzudösen und genau dann aus dem Schlaf aufzuschrecken, wenn Mama und Papa gerade eingeschlafen waren. Das einzig Tröstliche daran ist, dass die Dauer dieser einzelnen Schläfchen mit zunehmendem Alter zunimmt.

Schlief unser Sohn also in den ersten Monaten maximal zwei Stunden am Stück, so kann er mittlerweile schon mal fünf Stunden hintereinander schlafen. Durchschlafen ist das per Definition (Die Schweizer Mütter- und Väterberatung spricht ab sechs Stunden ununterbrochenem Schlaf von Durchschlafen) noch nicht. Aber es bedeutet: Wenn ich und mein Mann uns die Nacht aufteilen, kann mindestens einer mehr als sechs Stunden schlafen.

Wir halten also fest: Unser Baby schläft mindestens 12 Stunden pro Tag über den ganzen Tag verteilt. Die Dauer der Schlafphasen sind zu kurz, um als Eltern selbst schlafen zu können. Ergo: Eltern müssen von Natur aus übermüdet sein. Die Meisten jedenfalls.

 

Essenszeit

Die Hälfte des Tages ist um. Wie verbringen Eltern den Rest? Wandeln sie schlaftrunken durch die Wohnung? Gehen sie an die frische Luft? Oder kochen sie etwas Schönes? Ganz einfach: Sie füttern ihr Kind. Ein Baby braucht alle drei bis vier Stunden etwas zu essen, da sein Magen noch zu klein ist, um grössere Menge aufzunehmen.

Entscheidet sich die Frau das Kind zu stillen, übernimmt sie in den ersten Monaten „die Hauptarbeit“ der Babyfütterung. Zu Beginn sind dies 6 bis 8 Stillmahlzeiten, später werden diese abgelöst durch Flaschen- oder Breinahrung. Auch die Intervalle zwischen der Nahrungsaufnahme werden grösser. Zumindest in der Theorie.

Unser Sohn widersetzte sich auch dieser „Vorgabe“. Er wollte alle 2 bis drei Stunden essen und tut das am liebsten auch heute noch. Der Kommentar der Kindertagesstätte, die unser Sohn seit seinem sechsten Monat besucht, ist treffend: „Auf dem Tages-Protokoll gibt es nicht genug Platz für alle Mahlzeiten ihres Sohnes.“

 

Essen macht Spass: Kleckern genauso. Quelle: Nadine Klopfenstein

Essen macht Spass: Kleckern genauso. Quelle: Nadine Klopfenstein

Wir können also zusammenfassen: Es bleibt kein „längeres Zeitfenster“, um Schlafen zu können. Zu Beginn sollten die Eltern alle zwei Stunden für das Baby da sein und dieses bis zum nächsten Schläfchen füttern. Der Vater kann sich während den Essenszeiten eine Pause gönnen – sofern die Frau stillt. Die restliche Pflege (Wickeln, Baden, Anziehen,…) lassen wir für einmal ganz ausser Acht.

Den frisch gebackenen Eltern bleibt also nichts anderes übrig, als auch „Power-Napping“ zu betreiben und die Zeit während den Schläfchen für sinnvolle Tätigkeiten zu nutzen, wie Essen, Körperpflege, Besorgungen, etc. Die Zeit für romantische Zweisamkeit oder gemeinsame Unternehmungen muss daher sorgfältig eingeplant werden. Und wurde in unserem Fall meist verwendet, um wertvollen Schlaf nachzuholen.

 

Paarzeit

Angenommen man hätte trotzdem Zeit für Paaraktivitäten, würde das Budget solche überhaupt zulassen? Ein Blick auf die Veränderungen der Ausgaben und Einnahmen vor und nach der Geburt unseres Babys sollen Aufschluss darüber geben.

Die Grafik zeigt deutlich: Seit der Geburt unseres Sohnes sind die Einnahmen drastisch gesunken (Teilzeit- statt Vollzeit-Arbeit) und die Ausgaben massiv gestiegen (Kinderbetreuung, Einkäufe, Neuanschaffungen).

In unserem Fall sind die hohen Ausgaben dadurch zu begründen, dass wir uns ein Familienauto kaufen mussten. Ohne diese „Grossausgabe“ würden die Einnahmen und Ausgaben nicht derart auseinander klaffen. Die Einnahmelücken konnten durch Ersparnisse der letzten Jahre gedeckt werden. Diese wurden dadurch deutlich geringer, wie im folgenden Diagramm ersichtlich ist.

An dieser Stelle halten wir fest: Kinder sind teuer.

 

Arztzeit

Die Zeit ist knapp: Wir können kaum Schlafen und auch wenig Freizeitaktivitäten unternehmen. Die Situation wird aber noch verschärft, wenn das Baby krank wird. Dies ist in den ersten Jahren leider häufig der Fall, weil sich das Immunsystem erst aufbauen muss (und die Kinder dafür krank werden müssen). Verschärft wird die Situation nur noch durch eine Vorbelastung: Eine chronische Krankheit, ein Geburtsfehler oder eine Behinderung.

Leider sind auch wir davon nicht verschont geblieben: Unser Sohn leidet an einer Wasserniere (links), die uns im ersten Jahr viele Arztbesuche und Sorgen bescherte. Die Chronik seiner Diagnose, Krankheitsbesuche und Behandlungen haben wir in einer Timeline zusammengestellt.

Zeit für ein Resumée

Zusammenfassend ergeben die ausgewerteten Daten folgendes Bild: Ein Baby raubt einem den Schlaf, die Zeit und das Geld. Darüber hinaus macht man sich Sorgen, ob es dem Kind auch gut geht.

Wieso bekommen Paare Kinder? Und das schon seit Jahren in stabilen Zahlen (In der Schweiz kommen auf 1000 Einwohner 10 Geburten pro Jahr, Quelle: Bundesamt für Statistik)?

Ehrlich gesagt, ich habe nicht die geringste Ahnung. Aber wenn sie mich persönlich fragen, kann ich ihnen nur sagen: „Wenn unser Baby lächelt, spielt das alles keine Rolle mehr.“

 

Solltet ihr euch trotz dieser „Flut an negativen Daten“ dazu entschliessen selbst Kinder zu bekommen, habe ich  für euch einige „Überlebenstipps für Eltern“ aus dem Netz zusammengestellt.