Generation Porno – Durchs Schlüsselloch geschaut

Nicht nur das Netz, auch die Köpfe der Menschen sind voll mit Sex. Ein Thema, das mindestens so sehr beschäftigt wie Politik, Karriere oder das Ergebnis der Lieblingsmannschaft. Generation Porno – überflutet, überfordert und dennoch fernab von tatsächlicher Erotik.

Sinnsuche in der versauten Sinnlichkeit

Obwohl es kein gesellschaftliches Tabu-Thema mehr ist, bleibt Erotik in den Medien – insbesondere im Internet – mit einer ordinären Konnotation versehen, die es auch heutzutage schwer möglich macht, an inhaltlich hochwertige, ästhetische und anregende Angebote fernab von “schmutzigen” Porno-Websites zu denken.

cc Foto Phillippe Put

cc Foto Phillippe Put

Erotik ist oft unmittelbar verknüpft mit einem inszenierten Porno-Standard, der Schubladen bildet, sich sexistischer Geschlechterrollen bedient und scheinbar perfekten Sex zeigt, der mit der menschlichen Sexualität in aller Regel wenig gemein hat. Es entsteht ein elementar schiefes Verhältnis zwischen der medial konstruierten und der persönlich gelebten Sexualität, die von viel Unsicherheit geprägt ist.

Die Stuttgarter Medienforscherin Prof. Petra Grimm leitete eine Studie bei der jungen Generation Porno, die unter anderem zu dem Schluss kommt, dass der vor allem bei Jungen verbreitete Konsum von Internet-Pornos negative Folgen haben kann. „Jungen sehen sich beim Sex unter Leistungsdruck, während junge Frauen einem übertriebenen Schönheitsideal nacheifern“, erläutert Grimm dem Tagesspiegel 2010, als dieser sich mit der Thematik auseinandersetzt.

Ein hochwertiges journalistisches Auseinandersetzen mit realistischer Erotik, ist obgleich Porno, Nacktheit und Sex so zugänglich sind, jedoch auch heute, sechs Jahre später, schwer auffindbar.  Umgeben von einem Überangebot an Erotik, können weder eigene Fantasien, noch ein Gefühl für „Normalität“ entwickeln werden.

cc Foto Tony Veloz

cc Foto Tony Veloz

Aufgrund der fehlleitenden Porno-Präsenz herrschen bei vielen Individuen so tiefe Verunsicherungen gegenüber dem eigenen Körper, der eigenen Sexualität, dass sie Scham und Angst auslösen können. Mit dem Ziel sexueller Selbstsicherheit steht die Generation Porno somit zunächst vor der kaum überwindbaren Herausforderung, ein entspanntes und gesundes Verhältnis zu Sex, Erotik und ihrem Körper zu entwickeln. Sie ist neugierig, möchte mehr über sich erfahren und sich vom medialen Sex abgeholt fühlen. Eben nicht im Sinne davon ein “Pornostar” zu sein, sondern: “Wo ist meine Realität in der medial konstruierten Erotik, und wo fühle ich mich in dieser Erotik zu Hause?”.

Auf Entdeckungsreise in unscheinbaren Nischen

Um einen Blick über den pornografischen Mainstream-Tellerrand hinauszuwagen: Natürlich gibt es nicht nur die einschlägigen, prollig angehauchten Medienriesen wie den Playboy, der durch seinen extrem hohen Bekanntheitsgrad und mit einer Auflage von knapp 160.000 Stück äußerste Präsenz zeigt. Meist versteckt, oft nur auf Anfrage online bestellbar, gibt es auch in der Erotik-Sparte Nischenmagazine – Nischenmagazine, die im Eigen-Verlag von  Männern und Frauen vertrieben werden, die etwas für die realistische, ästhetische journalistische Aufklärung tun wollen.

Auf den ersten Blick klar erkennbar ist, dass selbst bei den Nischenmagazinen, das auflagenstarke Separée mit 20.000 Stück nur ein Bruchteil von der Auflage des Playboy vorzeigen kann. Die wohl größte Problematik besteht in der Auffindbarkeit der kleinen Magazine, die sich in der Flut neben den Medienriesen kaum behaupten können und nur durch sehr gezieltes Suchen zu finden sind. Doch selbst wenn sich ein großer Verlag einschaltet und versucht, eines dieser Magazine aus seiner Nische zu zerren, ist der Erfolg der Mission wie hier bei „Alley Cat“ mehr als fraglich. Scrollt rüber und schaut selbst!

Wie viel weiß die Generation Porno wirklich?

Erotik-Magazine, Pornos aber auch die Musik haben heutzutage durch ihre schiere Präsenz eine fast noch wichtigere Aufklärungsfunktion inne, als so mancher schulischer Sexualkundeunterricht. Dieser wird durch die Generation Porno als eher verwissenschaftlicht, trocken und realitätsfern empfunden und steht im krassen Gegensatz zu den rohen Parolen, die zum Beispiel in so manchen Songs in den Charts der letzten Jahre auftauchten.

Das ist vor allem deshalb verheerend, wenn die Quellen, die die Menschen für ihre Aufklärung vorziehen, ihnen diese nicht ausreichend liefern können. Porno, Sexualkunde, Eltern, Freunde, was immer der Quell des sexuellen Wissens war, findet raus, wie viel ihr selbst wirklich wisst!