Antholz 2016: Italiens neuer Biathlon-Star

Zweimal ganz oben: Dorothea Wierer gewann die Einzel-Rennen in Östersund und Ruhpolding (Foto: dpa)

Es ist einer der Höhepunkte der Saison: Der Biathlon-Weltcup in Antholz hat nicht nur große Tradition, er gilt auch als schneesicher und begeistert jedes Jahr wieder durch großartige Stimmung. So kommen Sportler und Fans immer wieder gerne in das Südtiroler Biathlon-Mekka. Das taten sie auch 2016. Vom 20. bis 24. Januar war Antholz in diesem Jahr Schauplatz des sechsten Weltcups der Saison. Wir blicken in einem kleinen Dossier zurück auf die Tage in Südtirol. Wie erging es unseren deutschen Biathlon-Stars?

Teil 2: Italiens neuer Biathlon-Star

Italien hat wieder einen echten Biathlon-Star, doch Dorothea Wierer glaubt nicht so recht an den Durchbruch ihrer Sportart in ihrem Heimatland. „Es ist besser geworden, aber im Süden unten, wo sie nicht einmal wissen, was Schnee ist, da wird das nie etwas werden“, sagt die Südtirolerin. Immerhin: Seit die Mixed-Staffel in Sotschi Olympia-Bronze gewonnen hat, wird Biathlon von der italienischen Öffentlichkeit etwas mehr beachtet. „Mit den Erfolgen kommen auch mehr Berichte. Das hängt alles zusammen.“

Deshalb will Wierer bei ihrem Heimweltcup in Antholz Werbung in eigener Sache machen. „Biathlon ist ja auch eine tolle Sportart. Man weiß nie, wer gewinnt“, beschreibt sie den Reiz. In Östersund und zuletzt in Ruhpolding war die fotogene Skijägerin in beiden Einzel-Wettbewerben über 15 Kilometer ganz vorne.

Ausgerechnet in den längsten und härtesten Damen-Rennen gewann die nicht als Trainingsweltmeisterin bekannte Sportlerin. Darüber wundert sie sich selbst, denn die Südtirolerin mag eher die kurzen Strecken. Deshalb ist die lebenslustige 25-Jährige auch Biathletin und nicht Ski-Langläuferin geworden. „Ich mag es ganz gerne, beim Schießstand anzuhalten“, sagt sie und kann ein Lächeln nicht verstecken.

Am Schießstand verbringt sie im Wettkampf allerdings nicht viel Zeit. „Mein natürlicher Style ist schnell schießen. Wenn ich denke, dann mache ich Fehler“, sagt sie. Wenn es ihr im „Heimspiel“ gelingen sollte, ihren Instinkten zu vertrauen, ist Wierer in Antholz ein Sprint-Sieg durchaus zuzutrauen.

Dass sie trotz Top-Leistungen im Juniorinnen-Alter lange nicht zu den Siegerinnen gehörte, hat sie sich wohl selbst zuzuschreiben. „Früher galt, erst Party, dann Training. Das ist schon besser geworden. Jetzt bin ich ein bisschen erwachsener geworden.“

Vielleicht auch, weil die 25-Jährige seit Mai verheiratet ist. „Wichtig ist, zu Hause Stabilität zu haben und man weiß, dass alles in Ordnung ist. Wenn Du kein stabiles Leben hast, dann kannst du beim Sport nicht hundertprozentig stabil sein“, sagt sie.

Trotzdem, die alten Gewohnheiten kommen immer wieder einmal zum Vorschein. „Silvester habe ich zuviel gefeiert, dann bin ich leider mit Halsentzündung und Erkältung krank geworden“, verrät sie. Ihre Trainer geben ihr trotzdem alle Freiheiten. „Sie wissen ja, wie ich bin. Ich brauch‘ das auch mal, einfach abschalten. Ich kann nicht ein anderer Mensch werden. Ich möchte das auch nicht, sonst bin das nicht mehr ich.“

dpa

 


Dossier zum Biathlon-Weltcup Antholz 2016

Teil 1: Ohne Dahlmeier, mit Schempp
Teil 3: Gössner scheitert am Schießstand (Sprint Damen, 21. Januar)
Teil 4: Schempp siegt im „Wohnzimmer“ (Sprint Herren, 22. Januar)
Teil 5: Schempp Zweiter, Damen schwach (Verfolgung, 23. Januar)
Teil 6: Ein Japaner steht im Weg (Staffeln, 24. Januar)