Antholz 2016: Ein Japaner steht im Weg

Die deutsche Herren-Staffel mit Erik Lesser (li.) und Benedikt Doll läuft in Antholz auf Rang zwei (Foto: dpa)

Es ist einer der Höhepunkte der Saison: Der Biathlon-Weltcup in Antholz hat nicht nur große Tradition, er gilt auch als schneesicher und begeistert jedes Jahr wieder durch großartige Stimmung. So kommen Sportler und Fans immer wieder gerne in das Südtiroler Biathlon-Mekka. Das taten sie auch 2016. Vom 20. bis 24. Januar war Antholz in diesem Jahr Schauplatz des sechsten Weltcups der Saison. Wir blicken in einem kleinen Dossier zurück auf die Tage in Südtirol. Wie erging es unseren deutschen Biathlon-Stars?

Teil 6: Ein Japaner steht im Weg (Staffeln)

Am Ende seines überragendes Antholz-Wochenende kam der sonst eher besonnene Simon Schempp so richtig in Rage. Weil ihm der überrundete Japaner Yuki Nakajima ausgerechnet im Ansatz auf den Schlussspurt der Staffel vor die Füße lief, verlor Deutschlands bester Biathlet im Duell mit Anton Schipulin die alles entscheidenden Zentimeter. Am Ende reichte es für Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Schempp zum Abschluss des Weltcups in Antholz hinter Russland „nur“ zu Platz zwei. „Der läuft in einer Seelenruhe mitten auf der Strecke, alle brüllen. Ich weiß nicht, ob er taub auf den Ohren ist“, schimpfte Schempp.

Trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers und der Stafrunde von Doll waren Schempp und seine Kollegen zufrieden. Am Ende fehlte dem Weltmeister nur eine Sekunde zum Sieg. „Wir haben eine ordentliche Staffel abgeliefert. Der Ausgang ist aber ärgerlich“, sagte Schempp.

Der Schwabe zeigte, warum er derzeit Deutschlands Nummer eins ist und sich gut sechs Wochen vor der WM in die Rolle des großen Mitfavoriten gebracht hat. Im Sprint von Antholz hatte er zuvor seinen Weltcupsieg Nummer neun geholt und war anschließend hinter Schipulin Zweiter in der Verfolgung geworden. „Ich war dieses Jahr siebenmal auf dem Podium, deshalb ist das natürlich das Ziel bei der WM“, so Schempp.

Einschließlich dem Weltcup in Antholz gewann der 27-Jährige vier seiner zehn Rennen und wurde noch dreimal Zweiter. Und das, obwohl er Anfang des Jahres wegen einer zweiwöchigen Zwangspause vier Rennen auslassen musste. Schempp kann aufgrund der besseren Trainingsbelastbarkeit trotz deutlich höherer Umfänge jetzt selbst solche Rückschläge wegstecken. „Meine hart erarbeitete Grundlage ist sehr gut. Aber ich bin noch nicht wieder bei 100 Prozent.“

Nach zuvor sechs Siegen und zehn weiteren Podestplätzen schafften es die Damen diesmal ohne die fehlenden Staffel-Weltmeisterinnen Laura Dahlmeier, Franziska Preuß und Maren Hammerschmidt erstmals in diesem Winter nicht auf das Podium. In der Staffel wurden Karolin Horchler, Gössner, Vanessa Hinz und Franziska Hildebrand nach zwei Strafrunden und 13 Nachladern nur Zehnte.

Doch Bundestrainer Gerald Hönig brachte das nicht aus der Ruhe: „Wir haben drei Hochkaräter als Ausfälle zu beklagen, und die Mädels haben schon so viel Hervorragendes geleistet. Wir werden uns jetzt nicht aus der Bahn werfen lassen oder unsere Konzeption umschmeißen.“

dpa


Dossier zum Biathlon-Weltcup Antholz 2016

Teil 1: Ohne Dahlmeier, mit Schempp
Teil 2: Italiens neuer Biathlon-Star
Teil 3: Gössner scheitert am Schießstand (Sprint Damen, 21. Januar)
Teil 4: Schempp siegt im „Wohnzimmer“ (Sprint Herren, 22. Januar)
Teil 5: Schempp Zweiter, Damen schwach (Verfolgung, 23. Januar)