UMTS-Betreiber schmuggeln Javascript in Webseiten

Wer per UMTS im Netz surft, erhält nicht dieselben Webseiten angezeigt wie über DSL oder ISDN: Ein hinzugeschmuggeltes Javascript mit dem verdächtigen Namen bmi.js wird bei manchen Seiten untergeschoben, zumeist ohne Wissen der Webseitenbetreiber. Server mit Nummern wie http://1.2.3.4/bmi/ erscheinen dann zusätzlich im Quellcode der Seiten.

Die UMTS-Netzbetreiber haben Komprimierungsserver dazwischengeschaltet, um datenintensive Fotos herunterzurechnen – mit der Folge, dass Bilder zwar schneller, aber auch stark verpixelt erscheinen. Was für unterwegs mit dem Laptop noch halbwegs nachvollziehbar und in bestimmten Situationen sogar nützlich erscheint, wird für stationäre UMTS-Nutzer in DSL-freien Gebieten allerdings ärgerlich. Besonders schlimm: Manchmal werden Bilder überhaupt nicht mehr angezeigt.

Hintergrund ist ein Javascript-Programm, das die UMTS-Betreiber in die übertragenen Webseiten schmuggeln. Ob es der Webseitenbetreiber will oder nicht, ist dabei egal: Den Lesern seiner Seiten, die per UMTS oder auch GPRS ankommen, wird zusätzlich zum normalen HTML-Code der Webseiten eine Datei mit dem schönen Namen bmi.js von einem Server 1.2.3.x untergeschoben. Dieses Skript rechnet nicht nur die Fotos klein, sondern unterbindet sogar bei bildintensiven Seiten die Anzeige der Bilder. Dahinter steckt also kein Bundestrojaner vom Bundesministerium des Innern, sondern Software von Bytemobile – ein Miniprogramm, das von allen deutschen Mobilfunkbetreibern eingesetzt wird.

UMTS-Surfer können bei Bedarf mit gedrückter Shift-Taste die verkrüppelten Seite neu laden oder auch per STRG-F5 unter Windows den Reload starten und erhalten dann die Originalbilder. Umständlich.

Darüber hinaus lässt sich in der Einwahlsoftware mancher Provider die Komprimierung verringern. Außerdem bietet beispielsweise Vodafone eine Software an, mit der sich bestimmte Adressen wie etwa der bevorzugte Fotohoster von der Komprimierung ausnehmen lassen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Adressen 1.2.3.x im Browser zu sperren.Die c’t nennt außerdem eine Einwahl-Software MWConn, die die Komprimierung abschalten kann.

Für Webseitenbetreiber ist es dennoch ärgerlich, dass sie sich nicht darauf verlassen können, dass ihre Seiten so ausgeliefert werden wie programmiert. Eine Idee wäre, ein Anti-bmi.js-Programm zu erschaffen, das beim Anwender die Nutzung von bmi.js abschaltbar unterbindet. Webseitenprogrammierung war früher irgendwie einfacher.

1 Kommentar zu "UMTS-Betreiber schmuggeln Javascript in Webseiten"

  1. Irgendjemand schmuggelt ein immer etwas aufs Handy oder Rechner :-))

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